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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 472 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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472 Johannes Holeschofsky späteren Kleinstaates zu beweisen versuchten118. Gewisse Parallelen gibt es auch zur preu- ßisch-kleindeutschen Historiografie in der Tradition Heinrich von Sybels, die ebenfalls eine frühe Selbstständigkeit Österreichs und damit eine frühe Scheidung der deutschen von der österreichischen Staatsbildungsgeschichte beweisen wollte119. Hauptgegner des Hantsch-Werkes war der ideologische Mainstream seiner damaligen österreichischen Fachkollegen, die, deutschnational und mit dem Nationalsozialismus liebäugelnd, die mittelalterliche Schicksalsverbundenheit der „Ostmark“ mit dem „gesamten Deutsch- land“ sowie die Angewiesenheit der „Deutschen des Donauraumes“ auf Hilfe aus dem Reich hervorhoben. Dabei betonten die „Gesamtdeutschen“, sich in die „ghibellinische“ Tradition Julius von Fickers stellend, die Machtfülle des mittelalterlichen Kaisertums von den Karolingern bis zu den Staufern. Es ist an dieser Stelle sinnvoll, auf den 1936 erschienenen Sammelband „Österreich – Erbe und Sendung im Deutschen Raum“ hin- zuweisen, der ganz der Würdigung der „gesamtdeutschen Geschichtsauffassung“ dienen sollte und in dem vor allem Hirsch und Otto Brunner die vorherrschende Richtung der damaligen österreichischen Mediävistik vertraten ; ein Beitrag Hantschs fehlte. Auf- schlussreich ist der Vergleich der Beiträge Hirschs, Brunners und auch Steinackers mit dem 1937 erschienenen Werk Hantschs. In Hantschs Darstellung nützten hervorragende österreichische Herrschergestalten des Mittelalters die naturräumlich günstigen Gegebenheiten zur frühen und selbstständigen Herrschaftsbildung im „Donauraum“120, während Brunner seinen Zweifel anmeldete, ob eine solche Gelegenheit für die Babenberger und Habsburger überhaupt bestanden hätte121. Vielmehr seien die Flachländer im ostösterreichischen Donauraum schutzlos der 118 Auch die Mitglieder der wohl von Winter gegründeten „Österreichischen Aktion“ wären hier durchaus als ursprünglich „großösterreichische Verfechter der Reichsidee“ anzusprechen. Für sie entbehrt das „Reich“ jedoch ethischer, naturrechtlicher Grundlagen, wie sie Hantsch dem Alten Reich zuschreibt, deren legitime Nachfolge die Habsburgermonarchie angetreten habe, und ist ausschließlich an Staatsbildungsversuche im Donauraum geknüpft. Vgl. Robert Holzbauer, Ernst Karl Winter. Materialien zu seiner Biografie und zum konservativ-katholischen Denken in Österreich 1918–1938 (phil. Diss., Wien 1992) 107–111. 119 Hantsch, Geschichte Österreichs 1 (Innsbruck 1937) 379f. Literaturkritik und Polemik des Verfassers befinden sich im Anhang. 120 Ebd. 36–54. 121 Brunner kritisiert die Donauraum-Ideologie Robert Siegers, sofern sie historisch ausholt und sich nicht nur auf die Situation während des Ersten Weltkrieges beschränkt. Vgl. Robert Sieger, Der österreichi- sche Staatsgedanke und seine geographischen Grundlagen (Österreichische Bücherei 9, Wien/Leipzig 1918) 14–36 (der „Österreichische Staatsgedanke und seine Fassungen“) und 54–72 (die „naturräumlichen Grundlagen“ desselben) ; Otto Brunner, Österreich, das Reich und der Osten im späteren Mittelalter, in : Österreich. Sendung und Erbe im deutschen Raum, hg. v. Josef Nadler, Heinrich von Srbik, Rudolf Egger (Salzburg 1936) 61–86, hier 61. Sieger argumentierte, im „Donauraum“ sei es schon früh zu einer Großmachtbildung gekommen, die nur in engster machtpolitischer Verbindung mit dem „deutschen Mut- terlande“ möglich gewesen war. Wenn sich Brunner nun gegen Siegers Donauraumidee wendet, so vor allem
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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