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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 474 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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474 Johannes Holeschofsky tung eingenommen129. Scheint da etwas von dem „übertriebenen Edelmut“ durch, den Hantsch später so manchem Habsburgerherrscher zuschreibt ? Die Echtheit des Privile- gium minus sah Hantsch mit seinem Freund Konrad Josef Heilig und etlichen Histori- kern der kleindeutschen Tradition übrigens als erwiesen an130. Er stellte sich dabei in einer langen und heftigen Debatte gegen eine lange Reihe österreichischer deutschnationaler Historiker, unter anderem gegen Wilhelm Erben und Steinacker131. Der Niederlage Přemysl Ottokars II. 1278 bei Dürnkrut wurde von Steinacker so manche Träne nachgeweint. Dem böhmischen König wäre es im Falle eines Sieges ge- lungen, Böhmen dem Deutschtum zu bewahren, so der protestantische Historiker mit antihabsburgischer Zielrichtung132. Hier zerbricht die Einheitsphalanx deutschnationaler Geschichtswissenschaftler. Hirsch meinte, Böhmen wäre um diese Zeit schon zu slawisch gewesen133, Srbik argumentierte anderen Ortes, gerade das Entstehen eines mächtigen böhmisch-deutschen Großstaates, auch Österreich umfassend, hätte womöglich zu viele Deutsche dem Mutterland entfremdet134. Hantsch dagegen unterstrich die reichsrechtli- che Verankerung der Aktionen des Habsburgerherrschers. Für ihn war die Entscheidung von 1278 keineswegs nur die „Wiedererrichtung des Reiches in seinen verlorengegange- nen Grenzen“, auch nicht nur die Restaurierung einer „neuen einheitlichen deutschen Südostmark“, sondern die „Rettung der Eigenart und der freien Entwicklungsmöglichkeit des doch in der Hauptsache auf sich selbst gestellten deutschen Landes“135. Darüber hi- naus habe der erste Habsburger auf dem römisch-deutschen Königsthron energisch ver- sucht, eine eigene Hausmacht im Donauraum mit „harter Hand“ zu schaffen136. Brunner schrieb auch, Herzog Rudolf IV. habe sich, um Tirol zu retten, freiwillig zum Juniorpart- ner der Luxemburger gemacht. Er bestritt jede auf den Donauraum gerichtete Erbabsicht als Hintergedanken des Erbvertrages zwischen Karl IV. und Rudolf IV. Vor allem die albertinische Linie der Habsburger hätten sich dann fast in eine Seitenlinie der Luxem- burger umgewandelt, während die Leopoldiner danach getrachtet hätten, den Erbbesitz nach Westen auszudehnen137. Erst der Untergang des mächtigen Luxemburgerreiches in Böhmen durch die Hussitenherrschaft habe den Habsburgern Tür und Tor geöffnet – 129 Hantsch, Geschichte (wie Anm. 119) 59. 130 Ebd. 61. Zu Heilig siehe den Beitrag von Helmut Maurer in diesem Band. 131 Ebd. 388. 132 Harold Steinacker, Geschichtliche Voraussetzungen des österreichischen Nationalitätenproblems, in : Das Nationalitätenrecht des alten Österreich, hg. v. Gottfried-Karl Hugelmann (Wien 1934) 12. 133 Hirsch, Deutsches Königtum (wie Anm. 124) 56. 134 Heinrich Ritter von Srbik, Österreich in der deutschen Geschichte (München 1936) 18. 135 Hantsch, Geschichte (wie Anm. 119) 105. 136 Ebd. 106. 137 Brunner, Österreich (wie Anm. 121) 70–72.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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