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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 480 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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480 Johannes Holeschofsky bereits gelöst156. Gelöst also – für Hantsch – trotz der staatlichen Trennung. Er zitierte in diesem Zusammenhang zustimmend Hermann Oncken : „Die Bande […] die das ganze Auslandsdeutschtum umschlingen, gehören ausschließlich der geistig-kulturellen Sphäre an. Man würde das in sich schon genug komplizierte Problem nur verfälschen, wenn man ihm ein politisches Gesicht gäbe : nicht zuletzt die Auslandsdeutschen selber würden jeden derartigen Versuch ablehnen müssen.“157 Hier haben wir also eine klare Stellungnahme Hantschs aus der Zeit vor 1945, mit der er beteuerte, dass sein Bekenntnis zum „Deutsch- tum“ stets nur „geistig-kultureller“ Art gewesen sei. Hantsch wies nicht nur jede Aufgabe der souveränen Staatlichkeit Österreichs zurück, er warnte auch davor, der „Staatsform in ihren geistigen Grundlagen die Basis einer gesamtdeutschen Haltung, eines gesamtdeut- schen Ideals“ zu geben158. Denn der „geistige Unterbau“ des NS-Regimes würde „zwei Arten deutschen Denkens und deutschen Lebens abgrundtief voneinander trennen“159. „Auf dieser Ebene also kann es kein gesamtdeutsches Bewusstsein geben, es gibt also nicht einmal eine deutsche Kulturgemeinschaft.“160 In diesen Zeilen grenzte sich Hantsch nicht nur vom Nationalsozialismus ab, er warnte auch implizit vor den negativen Auswirkungen, die die offizielle Ideologie des Ständestaates als „zweiter deutscher Staat“ haben konnte. In welchen Bereichen aber konnte das „gemeinsame Volkstum“ dann dennoch erhalten blei- ben ? Hantsch wies auf vier Bereiche hin : „gemeinsame Sprache und Dichtung“, sofern Letztere „nichts mit Politik“ zu tun hätte, „gemeinsames religiöses Empfinden“, die „echte Reichsidee“ als „Organisationsform deutschen und zugleich abendländischen Denkens und Lebens“ und schließlich „Volkstum“ als Zusammengehörigkeitsgefühl in einer „über- staatlichen, geistig-kulturellen Sphäre“161. Dennoch meinte Hantsch anschließend : „Wir bilden einen eigenen Staat, aber wir können niemals ein eigenes Volk bilden.“ Aber wenn 156 Hantsch, Problem (wie Anm. 155) 479. 157 Ebd. 498. 158 Ebd. 499. 159 Ebd. 160 Ebd. 161 Ebd. 499–505. Hantsch wurde aufgrund seines Bekenntnisses zum „deutschen Volkstum“ in die Nähe „bio- logistischen Denkens“ gerückt, vgl. Tölg, Ideologie (wie Anm. 1) 32. Ideen einer politischen „Überlegenheit des deutschen Volkes“ hat Hantsch nie vertreten. Der ihm so wichtige ethische Gehalt der Reichsidee soll vielmehr ein friedliches Zusammenleben aller mitteleuropäischen Völker ohne Bevorzugung eines anderen, wenn auch unter „deutschem Ehrenvorsitz“ herbeiführen, wobei die Deutschen eine historisch bedingte, zeitlich begrenzte zivilisatorisch-kulturvermittelnde „Erzieherrolle“ in Osteuropa nach dem Großen Türken- krieg gespielt hätten. Freilich taucht auch bei Hantsch der Deutschtumsbegriff als in „gleichem Blut“ oder in „Blutsverwandtschaft“ begründet auf, doch dies nur selten im Vergleich zum Hinweis auf Sprache und Kultur und gemeinsame „Geistigkeit“. Als Pangermanismus könnte man allerdings, wie erwähnt, die Befürwortung der Landesherrschaft der „deutschen“ Habsburger sehen, mit anderen Worten, den lebenslangen habsburgi- schen Monarchismus Hantschs.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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