Page - 506 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Image of the Page - 506 -
Text of the Page - 506 -
506 Wolfram Ziegler
Dopsch und Klebel kein gutes Verhältnis geherrscht haben. In einem Protokoll der Philo-
sophischen Fakultät der Universität Wien unter Vorsitz des Dekans Oswald Menghin sind
die Bemerkungen Dopschs über die persönliche Eignung Klebels festgehalten, was ein
normaler Bestandteil des Habilitationsverfahrens war. Dopsch hielt dabei mit seiner ver-
nichtenden Meinung nicht hinter dem Berg79. Das Verhältnis zwischen den beiden war
offenbar vollkommen zerrüttet, obwohl Klebel bei Dopsch seine Abschlussarbeit am IÖG
geschrieben hatte80. Was für Auswirkungen das auch immer gehabt haben mag, so fällt
doch der lange Zeitraum (1929–1931) zwischen Beantragung und Erteilung der Venia
auf. Zudem wurde sie nur für mittelalterliche Geschichte, nicht aber auch für Historische
Hilfswissenschaften verliehen. In der gleichen Sitzung des Jahres 1929 war Klebel auch
von Hans Uebersberger und Oswald Redlich, zu diesem Zeitpunkt noch Direktor des
IÖG, scharf kritisiert worden81. Lange währte Klebels Dasein als Privatdozent jedoch
ohnehin nicht. Aufgrund seines Bekenntnisses zu den Nationalsozialisten entzog ihm Un-
terrichtsminister Kurt Schuschnigg, so Klebel, am 1. Oktober 1934 nämlich die Habilita-
tion82. Schuschnigg, der Klebel persönlich gekannt haben könnte, da dieser am 24.
4.
1932
79 UAW, PA EK, Protokoll der Philosophischen Fakultät, 04.07.1929, fol. 25 : Er hat Eigenschaften die sehr unan-
genehm werden können. Unverträglich, Tratsche, böswillige Tratsche. Man hat ihn deswegen nirgends genommen,
obwohl er sachlich extrem geeignet wäre. In Kärnten, Staatsarchiv, Hofbibl., Denkmalamt, Lehrkanzel Strzygowski.
Hat auch in den Hist. Verein Unfrieden getragen. […] Auch im Institut für Geschichtsforschung missfällt mir seine
Tätigkeit. Macht immer Tratschereien. Vernaderung [Paul] Heigls, den er beschuldigt, nicht krank zu sein u. die
Studentenkrawalle inszeniert zu haben. […] 2. Die Berath[ung] solange zu vertagen, bis die Disziplinarsache
Heigls erledigt ist. Machte sich in unerhörter Weise über [Emil von] Ottenthal lustig. – [Julius] Schlosser hat auch
ein ähnliches Urteil. Paul Heigl, Bibliothekar und Assistent am IÖG, erstattete Selbstanzeige in dieser Sache,
wie aus einem Schriftstück der Disziplinarkammer der Universität Wien vom 30.12.1929, in welchem Heigl
freigesprochen wurde, hervorgeht, UAW, PA EK, fol. 42. Zu Heigl siehe Christina Köstner, Paul Heigl
(1887–1945). Ein politisch engagierter Bibliothekar des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
und der Nationalbibliothek Wien, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 2) 569–595, zu Ottenthal Su-
sanne Lichtmannegger, Emil von Ottenthal. Diplomatiker in der Tradition Theodor von Sickels und Julius
von Fickers, in : ebd. 73–95. Mit dem Historischen Verein ist der Akademische Verein deutscher Historiker
in Wien, dessen Gründungsmitglied Dopsch war, gemeint. Siehe dazu Walter Boguth, Die Gründung des
akademischen Vereines deutscher Historiker in Wien vor 25 Jahren. Ein Gedenkblatt nach persönlichen Er-
innerungen, in : FS des akademischen Vereines deutscher Historiker in Wien. Hg. anlässlich der Feier des
25-jährigen Bestandes (Wien 1914) 3–6. Zu Schlosser siehe den Art. „Julius Alwin von Schlosser“, in : ÖBL
10 (Wien 1994) 218f.
80 UAR, Philosophisch-Theologische Hochschule, 186/2 Klebel, Lebenslauf (Typoskript) : Die Dissertation, wie
die Institutsprüfungsarbeit, letztere bei Hofrat A. Dopsch über die Landgerichte Bayerns, wurden nicht gedruckt.
81 UAW, PA EK, Protokoll der philosophischen Fakultät, 04.07.1929, fol. 25. Uebersberger : Kl. hat eine unglück-
selige Natur, überall hineinzupatschen. Redlich, der auf die erwähnte Causa Heigl Bezug nahm : Ich sagte Kl.,
daß seine Anwesenheit im Institut [sc. dem IÖG] nicht willkommen sei.
82 UAW, PA EK, Lebenslauf (Typoskript) fol. 8.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien