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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 511 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Ernst Klebel (1896–1961) 511 Im Wintersemester 1934/35 hatte Klebel die Vertretung für den Lehrstuhl für mittlere Geschichte und historische Hilfswissenschaften in Frankfurt am Main übernommen, wobei Voltelini einer seiner Fürsprecher gewesen sein dürfte104. Anfänglich waren die Reaktionen mancher deutschen Kollegen auch noch freundlich, wie etwa ein Brief Otto Riedners belegt105. Bald aber eckte Klebel auch hier an. Im Zusammenhang mit dem Wechsel nach Freiburg ist ein Briefwechsel zwischen dem Frankfurter Rektor und dem Freiburger Dekan erhalten. Dort heißt es, Mayer habe Klebel Walter Platzhoff für die Frankfurter Professur empfohlen106. Platzhoff meldete aber von sich aus starke Zweifel an Klebel an107. Der Rektor spielte zudem auf dessen katholische Sozialisation an. Er ist ein kirchlich gebundener Katholik, was auch in seiner Geschichtsauffassung und -betrachtung zum Ausdruck kommt108. Dies hing jedoch, wie gezeigt, nicht nachweisbar mit Bemerkungen Mayers zusammen. Klebel selbst schrieb 1944, dass seine CV-Mitgliedschaft eine Beru- 104 Vom Gemeindeamt Kritzendorf (bei Wien), wo Klebel wohnte, ist aus dem lokalen Melderegister ein hand- schriftliches Bestätigungsschreiben vom 05.11.1934 erhalten, dass Klebel diesen Wohnsitz aufgebe, um nach Frankfurt zu gehen und hiebei eine Kiste und einen Koffer mit Büchern und Schriften wissenschaftlichen Inhalts mitnehme, was man wohl so interpretieren kann, dass Klebel zunächst keineswegs daran dachte, Österreich dauerhaft zu verlassen, siehe Burkhard Klebel, NL EK, Bestätigung der Gemeinde Kritzendorf. Siehe auch ÖSta, HHSta, NL Hans Voltelini 1, Mappe 1–14, unfoliiert : Schreiben Klebels an Voltelini, Frankfurt 10.11.1934 : Nun haben also Ihre gütigen Bemühungen so weit Frucht getragen, dass ich am Bestimmungsort angelangt bin […] und übermorgen meine Antrittsvorlesung halten werde. 105 Burkhard Klebel, NL EK, Brief Riedners an Klebel vom 16.11.1934 : Lieber Freund, ich freue mich, dass Du so bald wieder einen Deinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Wirkungskreis gefunden hast und wünsch Dir, dass Dein Gerechtigkeits- und Wahrheitsstreben keine Enttäuschung erlebt, die über das einem jedem von uns beschiedene Maß hinausgeht. Zu Riedner siehe Albert Reiffer, Nachruf Otto Riedner, in : ZBLG 11 (1938) 159. 106 Archiv der Universität Frankfurt am Main (= UAF) Abt. 4 Nr. 1379, pag. 3, Brief Platzhoffs an den Dekan der Universität Freiburg Prof. Hans Oppermann vom 02.04.1937 : Ich kannte ihn vorher nicht. Erkundigun- gen die ich über ihn einzog, namentlich bei ihrem jetzigen Kollegen Theodor Mayer lauteten in wissenschaftlicher Beziehung günstig. In dieser Hinsicht und als Lehrer hat er sich sehr bewährt. Er ist in der Wiener Schule sehr gut ausgebildet, besitzt in seinem Arbeits und Interessenkreis eine nicht alltägliche Vielseitigkeit und versteht es auch seine Vorlesungen und Uebungen anschaulich zu gestalten und Resonanz bei den Studenten zu finden. 107 Ebd. pag. 3 : Kl. ist sehr von sich eingenommen, seine Umgangsformen liessen mehr als in einer Beziehung zu wün- schen übrig und wie hier ist es auch an anderen Orten zu Misshelligkeiten gekommen. Ich fühle mich verpflichtet, Ihnen dies mitzuteilen, damit Sie keine Enttäuschung erleben. 108 Platzhoff relativiert dann allerdings seine ablehnende Haltung im selbigen Brief leicht, ebd. : Ich möchte aber nochmals betonen, dass ich ihn nach seinen wissenschaftlichen Leistungen und seiner weltanschaulichen Einstellung für einen konfessionell gebundenen Lehrstuhl als geeignet ansehe. Klebel lag mit seiner Vermutung demnach nicht falsch, dass sein Katholizismus bei der Ablehnung seiner Tätigkeit, eine Rolle spielte. Gegenüber Volte- lini meinte er : Ich hoffte ja, bei einer Besetzung der F.[reiburger] Kanzel Aussichten zu haben […]. Ende Jänner kam ich auf einmal durch einen verwickelten Zufall darauf, dass die Historiker der Univ. mich nicht haben woll- ten, weil ich Katholik war, siehe Brief Klebels an Voltelini, Berlin vom 15.03.1935, ÖSta, HHSta, NL Hans Voltelini 1, Mappe 1–14, unfoliiert.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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