Page - 512 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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512 Wolfram Ziegler
fung im Dritten Reich bisher unmöglich gemacht habe109. Mayer kamen die geschilderten
Gerüchte später zu Ohren. Er verwahrte sich Klebel gegenüber dagegen in extrem schar-
fem Ton110. Tatsächlich war Klebel dem organisierten akademischen Laienkatholizismus
auch in Deutschland treu geblieben. In Österreich war er 1933, wie erwähnt, aus dem CV
ausgeschlossen worden, der sich nun als ÖCV konstituierte und von den deutschen Ver-
bindungen abspaltete. In Deutschland trat Klebel allerdings erneut einer Verbindung bei
beziehungsweise war schon längst Mitglied einer solchen. Es ist bekannt, dass Klebel Mit-
glied der CV-Verbindung Bavaria-Berlin war. Naheliegend wäre ein Eintrittsdatum nach
dem Umzug nach Deutschland (1934). Im Regensburger Universitätsarchiv finden sich
im Nachlass Klebels dazu allerdings Unterlagen, die zeigen, dass er schon 1923, im Jahr
seines Beitrittes zur Amelungia, zur Bavaria-Berlin gestoßen war111. 1937 wollte Klebel
offenbar nochmals zurück an die Universität Frankfurt, was nicht gelang, da sich sowohl
die Philosophische Fakultät wie auch Rektor Walter Platzhoff aus Gründen, die Klebels
fehlende Teamfähigkeit betrafen, sowie aufgrund seiner fachlichen Spezialisierung dage-
109 OÖLA, NL IZ, Schachtel 3, Brief Klebels an Zibermayr vom 03.06.1944, fol. 8 : Denn das Min. hat meinen
Professorentitel 1942 mit Hinweis auf meine Zugehörigkeit zum CV. abgelehnt. Und das dürfte durch die Partei-
kanzlei gegangen sein. Ich kann also im 3. Reich keine Carriere machen mit und ohne Mayers Wohlwollen.
110 NÖLA, NL EK, K. 6, Korrespondenz, Mappe 4 (Theodor Mayer), Brief Mayers an Klebel vom 15.06.1939 :
[…] dass ich den Hauptwiderstand geleistet habe, muss doch wohl ein Irrtum sein. Es war überhaupt kein „Haupt-
widerstand“ zu leisten, Sie sind niemals ernstlich in Frage gekommen. Sicher ist aber wohl, daß ich dabei ein
Haupthindernis war, denn es wäre ganz ausgeschlossen gewesen, dass man zwei Österreicher nebeneinander gesetzt
hätte. Was Ihnen Herr Platzhoff erzählt hat, weiß ich nicht. Wohl aber weiß ich, dass ich überhaupt Herrn Platz-
hoff auf Sie hingewiesen habe. Sie wären wohl ohne diese Empfehlung nicht nach Frankfurt gekommen. Es ist also
das genaue Gegenteil richtig. […] Es ist nicht meine Schuld, dass Sie in Frankfurt, dann in Berlin und Würzburg
Schwierigkeiten gehabt haben.
111 UAR, Philosophisch-Theologische Hochschule, 186/2, Klebel : W. Kessel, Personalia, in : Academia 54/2
(1961) 67 : Der scientia gehörte sein nie ermüdender Geist, der religio und der amicitia aber das Herz dieses
vorbildlichen Christen und CVers. Ihm wurde der 1923 vollzogene Beitritt zu Bavaria-Berlin zu einem Lebens-
ereignis. Er hing der Lebensgemeinschaft mit ganzer Seele an. Stets trat er in besonderem Maße für die Aktiven ein,
deren aus dem Zeitgeschehen entspringende Probleme er stets erspürte und geistig klären half, die er aber auch mit
Rat und Tat unterstützte. Peter Muschol, Brief an den Autor vom 18.05.2010, gibt zudem weitere Hinweise
bezüglich Klebels CV-Mitgliedschaften. Klebel scheine im Bavaren-Verzeichnis mit Stand 01.01.1934 nicht
auf, allerdings heiße es im ersten Gesamtverzeichnis des CV nach der Wiederbegründung (1955, Seite 76) […] :
K.D.St.V. [Katholische Deutsche Studentenverbindung im CV] Bavaria/Berlin, II. Alte Herren, A. Urphilister :
23.23.11 Klebel, Ernst, Dr. phil. a.o. Prof. d. Gesch., Maxstr. 15 ; Pf, Rup ; (Am). Am 20.06.1953 hatte die am
06.06.1947 in Regensburg gegründete K.D.St.V. Rupertia Klebel ihr Band verliehen. […] Im Gesamtverzeichnis
1958 wird er nicht genannt, im GV [Gesamtverzeichnis] 1961 meldet die Bavaria Berlin auf der Seite 876 unter
der Rubrik UNSERE TOTEN : 23 Klebel, Ernst, Dr. phil., Hochschul-Prof. (61). Klebel selbst gibt ein Eintritts-
datum in den C.V. BERLIN (GETARNT ALS SPORT-KLUB) 1936 an, siehe Burkhard Klebel, NL EK : Mel-
debogen auf Grund des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 05.03.1946,
r. Nr. 2, e.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien