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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 519 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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Ernst Klebel (1896–1961) 519 Werke wurden und werden zum Teil mehr zitiert als rezipiert. Dies trifft insbesondere für die Handbuchliteratur zu. Teilweise wurden Klebels Arbeiten auch inhaltlich weiter- geführt141. Die eher zurückhaltende Rezeption Klebels hängt sicher auch mit dem Fehlen „der großen Monografie“ zusammen. Er schrieb neben der erwähnten reich kommentier- ten Studie zu den Salzburger Annalen kaum etwas, womit man etwa im engeren Kreis des IÖG nachhaltig reüssieren hätte können. Er widmete sich vornehmlich der frühmittel- alterlichen Geschichte des südöstlichen Karolingerreichs, wobei er dieses Forschungsfeld mit einer stark siedlungsgeschichtlich ausgerichteten Betrachtungsweise bearbeitete und seine Begrifflichkeit etwa der „südostdeutschen Kolonisation“ ideologisch belastet war und vermutlich auch dadurch kaum Fortsetzer fand. Zudem wurde das frühe Mittelalter in der deutschen und österreichischen Geschichtswissenschaft über lange Zeit als Vor- geschichte des „echten, bedeutenden Mittelalters“ betrachtet, welches mit den Staufern seinen Höhepunkt gefunden hätte. In Österreich wurde die Erforschung des Frühmit- telalters neben frühen Arbeiten Heinrich Fichtenaus dann vor allem von Erich Zöllner mit seiner Habilitationsschrift über „Die politische Stellung der Völker im Frankenreich“ aufgenommen, die 1950 im Druck erschien142. Neben den erwähnten Studien Michael Mitterauers, waren es dann vor allem diejenigen Herwig Wolframs, die Wien zu einem Frühmittelalterzentrum machten. Zöllners Studie war für Wolfram der Auslöser für die vertiefte Auseinandersetzung mit dem frühen Mittelalter. Auch das Erscheinen des Werkes „Stammesbildung und Verfassung“ von Reinhard Wenskus spielte eine große Rolle dabei, dem Forschungsfeld der historischen Ethnografie einen neuen Schub zu verleihen und führte zu einem Paradigmenwechsel der in diesem Wissenschaftsfeld vorherrschenden Er- klärungsmodelle143. Klebel hatte zudem kaum auf dem Gebiet der am IÖG gepflegten 141 Aufgegriffen wurden Teile von Klebels Forschungsinteressen von Michael Mitterauer, Die Grafenfamilien der bayerischen Marken in der Karolingerzeit (masch. Diss. Wien 1960) ; ders., Slawischer und bayerischer Adel am Ausgang der Karolingerzeit, in : Carinthia I 150 (1960) 693–726 ; ders., Karolingische Markgrafen im Südosten. Fränkische Reichsaristokratie und bayerischer Stammesadel im österreichischen Raum (AÖG 123, 1963). Siehe auch Karl Gutkas, Geschichte des Landes Niederösterreich (St. Pölten/Wien 31973) 569 ; Karl Brunner, Herzogtümer und Marken. Vom Ungarnsturm bis ins 12. Jahrhundert (Österreichische Ge- schichte 907–1156, Wien 1994) 511, mit acht zitierten Titeln ; Heinz Dopsch, Karl Brunner, Maximilian Weltin, Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter (Österreichische Geschichte 1122–1278, Wien 1999) 571, mit fünf angeführten Studien Klebels ; Handbuch der bayerischen Geschichte 1. Das Alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts, hg. v. Max Spindler (München 21981) 703. 142 Erich Zöllner, Die politische Stellung der Völker im Frankenreich (Veröff. des IÖG 13, Wien 1950). 143 Siehe Heinrich Fichtenau, Das karolingische Imperium. Soziale und geistige Problematik eines Großrei- ches (Wien 1949) ; Reinhard Wenskus, Stammesbildung und Verfassung : Das Werden der frühmittelalterli- chen gentes (Köln/Graz 1961). Zum Gang der Forschung siehe Herwig Wolfram, Origo. Ricerca dell’origine e dell’identità nell’alto medioevo (Labirinti 112, Trento 2008) 53–67, und Walter Pohl, Die Völkerwande- rung. Eroberung und Integration (Stuttgart/Berlin/Köln 2005) 17f.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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