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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 530 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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530 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer „Volkstumskampf“ in „Neuland“ stammten unter anderem von seinen Freunden Ernst Klebel, Franz Riedl39, Anton Böhm40 oder auch von dem Srbik-Assistenten Reinhold Lo- renz41. Lechner hat sich dazu kaum geäußert. „Unsere Akademikerbewegung wäre wert- los, wenn sie nicht im Volke wurzeln würde“, schrieb er lapidar 1923 ; und der katholische Akademiker könne seine moralische Vorbildwirkung nur dann erzielen, „wenn er sich als Glied des Volkes fühlt“42. Lechners damalige ordnungspolitische Vorstellungen für Mitteleuropa zeigten zwar schon deutliche Ansätze einer „gesamtdeutschen“ Ausrichtung. Der christliche Univer- salismus stand aber noch stark im Vordergrund, ebenso die Betonung der vielfältigen kulturellen Leistungen Österreichs, dessen große Bedeutung für Deutschland und Mit- teleuropa er postulierte. Im katholisch-konservativ ausgerichteten Jahrbuch der öster- reichischen Leo-Gesellschaft präsentierte Lechner 1925 seine Vorstellungen von einer geschichtlichen Sendung Österreichs und damit auch seine Alternative zur ungeliebten Nachkriegsordnung der Pariser Vororteverträge. Gleich zu Beginn erläuterte Lechner das Verhältnis zwischen einem nicht näher definierten „Mitteleuropa“ und dessen österrei- chischer „Ostmark“ und übertrug das Gliedschafts-Modell auch auf politische Einheiten : „Mark sein heißt zunächst Glied eines Ganzen sein, in enger Verbindung mit diesem Ganzen bleiben, vom selben Kulturleben durchflossen sein wie das Ganze, teilnehmen an seinem Schicksal. […] Die Mark ist Trägerin eines ganz besonders eigenständigen Le- bens, welches auf das Ganze selbst wieder fördernd zurückwirkt. Das Ganze aber, dem diese Ostmark angehört, ist jenes Gebilde, als dessen Mark sie entstanden ist, das fränki- sche Reich, weiter das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, endlich ein kräftiges Mitteleuropa.“43 In der Folge stellte Lechner die jahrhundertealte Bestimmung der Ost- 39 Ein detaillierter, auch die frühe Freundschaft mit Lechner erwähnender, teils apologetischer Lebenslauf des Pu- blizisten und späteren „Volkstumsforschers“ Franz Riedl ist abgedruckt in : Volkstum zwischen Moldau, Etsch und Donau. FS für Franz Hieronymus Riedl. Dargeboten zum 65. Lebensjahr im Auftrag eines Freundes- kreises von Theodor Veiter (Wien/Stuttgart 1971) 1–22 ; zu Riedl, Student bei Hans Hirsch und 1926/27 offenbar auch Teilnehmer der vorbereitenden Lehrveranstaltungen für den 36. IÖG-Kurs, siehe auch Andreas H. Zajic, Hans Hirsch (1878–1940). Historiker und Wissenschaftsorganisator zwischen Urkunden- und Volkstumsforschung, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 8) 307–417, hier 348–350. 40 Ein Lebenslauf Böhms unter besonderer Berücksichtigung von dessen Tätigkeit in der Zeitschrift „Schönere Zunkunft“ findet sich bei Peter Eppel, Zwischen Kreuz und Hakenkreuz. Die Haltung der Zeitschrift „Schö- nere Zukunft“ zum Nationalsozialismus in Deutschland 1934–1938 (VKGÖ 69, Wien/Köln/Graz 1980) 44–53. 41 Die Titel dieser volkstumspolitischen Aufsätze sind angeführt bei Seewann, Jugendbewegung 2 (wie Anm. 24) 927f. 42 Lechner, Korporation ( wie Anm. 15) 136. 43 Karl Lechner, Der Ostmarkberuf Österreichs, in : Jb. der österreichischen Leo-Gesellschaft (1925) 168–191, hier 168.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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