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540 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer
Seit 1920 bereits Mitglied, folgte Lechner 1927 Max Vancsa als Generalsekretär des
Vereins nach. Dessen Sohn, der erst 23-jährige Kurt Vancsa, avancierte gleichzeitig zum Se-
kretär und Schriftführer und wirkte fortan als Lechners engster Mitarbeiter92. Auch privat
verband Lechner mit Kurt Vancsa bald eine lebenslange „wirkliche Seelenfreundschaft“93.
Der Amtsantritt des 30-jährigen Karl Lechner bedeutete den Beginn einer neuen, lang
andauernden Ära im Verein94. Eine neue Generation von zumeist um die Jahrhundert-
wende geborenen Wissenschaftlern drückte dem Verein als Autoren, Vortragende, Exkur-
sionsleiter und vielfach auch als Funktionäre allmählich ihren Stempel auf95. Schon bald
entstand rund um Lechner jener Kreis der „jüngeren landesgeschichtlichen Forschung“,
der die geschichtliche Landeskunde in Niederösterreich bis in die 1970er-Jahre hinein
dominieren sollte. Die Mitglieder dieser Gruppe arbeiteten einander zu, schienen einander
in ihren Forschungsergebnissen zu bestätigen und befestigten auf diese Weise ihre Deu-
tungshoheit96. Zu nennen sind hier etwa der Verfassungs- und Rechtshistoriker Klebel, der
Architekt und Siedlungsplanforscher Adalbert Klaar, der Ur- und Frühgeschichtler Her-
bert Mitscha-Märheim97, der Namens- und Wüstungsforscher Heinrich Weigl98, der Pfarr-
und Patrozinienhistoriker Hans Wolf sowie die Ältereren in dieser Runde99, der Verfas-
sungshistoriker und Direktor des Wiener Stadtarchivs Otto Heinrich Stowasser100 und der
Sprachwissenschaftler Walter Steinhauser101. Brunner und dessen Freund, der Mediävist
Helleiner102, zählten zwar nicht zu dieser Gruppe, gehörten im Umfeld des Vereins aber zu
jenen jungen Wissenschaftlern, welche zur Qualität der Vereinspublikationen beitrugen103.
92 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 166.
93 Karl Lechner, Oswald Redlich †, in : Jb. für Landeskunde von Niederdonau NF 28 (1939–1943) V–XX ;
Karl Lechner : Max Vancsa †, in : JbLKNÖ 29 (1944–1948) 1–14 ; Zitat in : Karl Lechner, Kurt Vancsa
– tot, in : UH 40 (1969) 123–127.
94 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 176.
95 Ebd. 178.
96 Max Weltin, Probleme der mittelalterlichen Geschichte Niederösterreichs. Unter besonderer Berücksichti-
gung des Hollabrunner Bezirkes, in : ders., Das Land und sein Recht. Ausgewählte Beiträge zur Verfassungs-
geschichte Österreichs im Mittelalter, hg. v. Folker Reichert, Winfried Stelzer (MIÖG Erg.-Bd. 49,
Wien/München 2006) 436–486, hier 436f.
97 Richard Pittioni, Herbert (von) Mitscha-Märheim. Nachruf (mit Schriftenverzeichnis), in : Almanach der
ÖAW 127 (1977) 545–562.
98 Silvia Petrin, Dr. Heinrich Weigl †, in : UH 49 (1978) 89f.
99 Karl Lechner, Oberstudienrat Dr. Hans Wolf †, in : UH 32 (1960) 217f.
100 Ders., Otto H. Stowasser †, in : UH 7 (1934) 95–97.
101 Weltin, Probleme (wie Anm. 96) 437 ; zu Walter Steinhauser siehe Herbert Tatzreiter, Walter Steinhau-
ser (1885–1980), in : UH 51 (1980) 307–311.
102 Gutkas, Helleiner (wie Anm. 30) 526. Nach 1945 setzte sich Helleiner übrigens vergeblich dafür ein, dass
Brunner die nach der Flucht Klebels vakant gewordene Stelle eines Stadtarchivars von St. Pölten erhielt.
103 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 172, 176.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien