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Karl Lechner (1897–1975) 545
schrift „Unsere Heimat“ hatte Lechner ganz der „Geschichte des Waldviertels – der Hei-
mat der Vorfahren Adolf Hitlers“ gewidmet.137 Im Eindruck der „atembeklemmende[n]
Wucht und Entscheidungskraft dieses weltgeschichtlichen Vorganges“ apostrophierte er
Adolf Hitler, der seiner Ansicht nach „auch äußerlich schon einen echten Waldviertler
Typus“ darstelle, als den „Schmied des neuen großdeutschen Volksreiches und größten
Sprossen“ des Waldviertels138. In der Einleitung stellte Lechner die bisherige Tätigkeit
des Vereins ganz in den Dienst der deutschen Sache. Seit fast 75 Jahren arbeite man an
der Erforschung und Darstellung von Geschichte, Kultur und Volkstum „jenes Landes,
das der Markboden des Reiches war, […] besiedelt von fast allen Stämmen des deutschen
Mutterlandes“, deren „Blut- und Kulturgemeinschaft“ durch all die Jahrhunderte leben-
dig geblieben sei139. Er beteuerte, dass der Verein seinen „Dienst[…] an der niederöster-
reichischen Heimat und damit am deutschen Volke“ auch weiterhin und mit verstärkten
Kräften versehen werde, auf dass „die Gliedschaft am gesamtdeutschen Volks- und Kul-
turboden“ noch bewusster gelebt werde. Er schloss mit dem „Gelöbnis unseres Vereins :
Dienst an der engeren Heimat und am deutschen Volk, am Deutschen Reich und seinem
Führer Adolf Hitler !“.140
Als „Katholisch-Nationaler“ gehörte Lechner auch zu jener kleinen Minderheit im katho-
lischen Milieu, die mit dem „Anschluss“ auch einen „Ausgleich“ zwischen Kirche und Na-
tionalsozialismus erhoffte. Die zustimmende Erklärung der österreichischen Bischöfe zum
„Anschluss“ war Lechner daher ein großes Anliegen. Als an dieser Erklärung unter anderem
vom Vatikan Kritik geübt wurde, stellte sich Lechner als Mitglied einer „Aktion für den
religiösen Frieden“ klar hinter die Erklärung und versuchte Innitzer in dessen anfänglichen
„Ausgleichs“-Bemühungen zwischen Kirche und NS-Staat möglichst zu bestärken. Neben
seinen Freunden von „Neuland“, Böhm und Riedl, den „Neuland“ nahestehenden Borodaj-
ke wycz und Friedrich Schreyvogl sowie dem Philosophieprofessor Hans Eibl und dem Ehe-
paar Graf Dubsky zählte Lechner zu den Laien in dieser von Geistlichen „niederer und
mittlerer hierarchischer Stufen“ dominierten Gruppierung141, die als „Arbeitsgemeinschaft
für den religiösen Frieden“ noch für einige Monate in Kirchenkreisen von sich reden machen
sollte.142 Das auch von Lechner unterzeichnete Schreiben der „Aktion“ an Innitzer vom
137 Karl Lechner, Aus der Geschichte des Waldviertels – der Heimat der Vorfahren Adolf Hitlers, in : UH 11
(März/April 1938) 72–78, hier 72.
138 Ebd. 72, 78.
139 An unsere Mitglieder !, in : UH (März/April 1938) 71f., hier 71.
140 Ebd. 71f.
141 Josef Lettl, Arbeitsgemeinschaft für den religiösen Frieden 1938 (Diplomarbeit Linz 1981) 11.
142 Detailliert zu dieser Vereinigung siehe ebd.; vergleiche auch Erika Weinzierl-Fischer, Österreichs Ka-
tholiken und der Nationalsozialismus. Zweiter Teil : 1933–1945, in : Wort und Wahrheit. Monatsschrift für
Religion und Kultur 18 (August/September 1963) 493–526, hier 508–516.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien