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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 552 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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552 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer Vortragende dieser Tagung waren Hassinger, Brunner und Karl Giannoni – allesamt Mit- glieder des VfLKNÖ – sowie Hirsch, Leiter des IÖG, der Altertumskundler Rudolf Egger und andere174. An der Fortsetzung dieser Tagung im Waldviertel und in Südböhmen im Jahr darauf war Lechner gleichfalls und neben Hirsch und Hassinger abermals als Referent beteiligt175. 1937 wurde er zum Mitglied der SODFG ernannt, und über Antrag dieser Organisation wurde ihm 1939 auch die Medaille zur Erinnerung an den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich verliehen176. Die von der SODFG mit vorbereitete Einverleibung der südmährischen und südböh- mischen Gebiete versetzte Lechner als Archivar in die Lage, nun auch jene Materialien ins Landesarchiv zu bringen, die seiner „gesamtdeutschen“ Auffassung zufolge wohl gar nicht in „tschechischen“ Besitz hätten geraten dürfen. Nur einen Monat nach der Angliederung der sudetendeutschen Gebiete befand sich Lechner mit einem Mitarbeiter in Znaim (Znojmo), um mit dem NS-Beauftragten für Südmähren die Sicherung der Archivalien des südmährischen Gebietes zu organisieren177. Auch an der Ausscheidung und Übernahme von Schriftgut aus den Archiven des Protektorates Böhmen und Mähren war Lechner beteiligt. Unter seiner Lei- tung wurden in den folgenden dreieinhalb Jahren tonnenweise Archivalien aus der ehemali- gen Tschechoslowakei ins nunmehrige Reichsgauarchiv Niederdonau verbracht. Diese Mate- rialien mussten nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft wieder rückgestellt werden178. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Lechner der Volksgeschichte zwar nahestand, er rassistischen Varianten derselben aber erhebliche Vorbehalte entgegen- brachte179. Die Ausrichtung seiner Geschichtsschreibung war zwar ohne Zweifel „ge- samtdeutsch“, aber nicht biologistisch. Wenn Lechner auch seine kommentierte „Bib- liographie“ von 1940 in der volksgeschichtlich orientierten Reihe „Deutsche Schriften zur Landes- und Volksforschung“ herausbrachte und darin als Juden geltende Autoren mit „(J.)“ kennzeichnete180, verblieb er dennoch in seinen Arbeiten, wie auch oben ge- 174 Fahlbusch, Wissenschaft (wie Anm. 175) 290. 175 Ebd. 291 ; im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens bezeichnete Lechner diese Veranstaltung als Tagung d. Wiener u. Prager Hochschullehrer, siehe dazu ANÖLR, PA KL, Fragebogen der Landeshauptmannschaft NÖ vom 23.01.1946, Beilage zu Punkt IV.B. 176 Ebd. Grundlagen für den Beförderungsantrag Dr. Karl Lechner zum Oberarchivrat, undatiert (ca. 1940). 177 NÖLA, Archiv-Sonderakten, K. IV, Zl. 133/1943, Bd. 1, Schreiben Archiv für Niederdonau an Archivamt vom 05.12.1938. 178 Ebd. 179 Die folgende Einschätzung bemüht sich, das von Hettling, Einleitung (wie Anm. 113) 23, postulierte Plädoyer für eine differenzierte Bewertung der verschiedenen volksgeschichtlichen Strömungen umzusetzen. Entscheidend sind dabei die Fragen, „in welchem Maße die jeweiligen Forschungen wissenschaftlichen Krite- rien verpflichtet blieben“ (die Biologisierung kultureller Äußerung markiert hier die klare Überschreitung der Grenze zur Ideologie) und ob sie den Anspruch verfolgten, „(rassen-)politisches Handeln anzuleiten.“ 180 Karl Lechner, Bibliographie zur Landeskunde der nördlichen Hälfte der Gaue Niederdonau und Wien
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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