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564 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer
auch, Lechner das Kolloquium und die öffentliche Probevorlesung zu erlassen254. Das
Professorenkollegium der philosophischen Fakultät schloss sich der Empfehlung an und
beschloss am 16. Oktober 1948 mit 24 Ja-, 0 Nein-Stimmen und 2 Stimmenthaltungen,
Lechner für die Erteilung der Venia legendi für „Landesgeschichte und historisch-geogra-
phische Landeskunde von Nieder- und Oberösterreich“ vorzuschlagen255. 1955 wurde
Lechner einstimmig der Titel eines außerordentlichen Professors zuerkannt256, und 1959
avancierte er auch zum Prüfungskommissär für Deutsches Recht und Österreichische Ver-
fassungs- und Verwaltungsgeschichte an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät
in Wien sowie zum korrespondierenden Mitglied der ÖAW257.
I.12 Lechner als Leitfigur der Landesgeschichte
Schon seit den 1930er-Jahren galt Lechner als der „anerkannt führende Fachmann“ auf
dem Gebiet der geschichtlichen Landeskunde258. Sein wissenschaftliches Prestige wurde
seit den 1950er-Jahren weiter gestärkt, als er etwa zu den Tagungen des „Konstanzer Ar-
beitskreises für mittelalterliche Geschichte“ eingeladen wurde. Dessen Begründer Theo-
dor Mayer war Lechners ehemaliger Lehrer und hatte um seinen vormaligen Schüler ge-
radezu geworben259. Neben Klebel und anderen Österreichern wurde so auch Lechner
zu einem häufigen Besucher der Arbeitskreis-Tagungen auf der Insel Reichenau260, ohne
jedoch Mitglied des Arbeitskreises zu werden.
Lechners dominierende Position in der Landesgeschichte manifestierte sich auch darin,
dass er über lange Zeit hinweg auch die methodische und inhaltliche Ausrichtung der
Disziplin bestimmte. Sein aus 1950 datierender Aufsatz über „Sinn und Aufgaben der
geschichtlichen Landeskunde“ setzte hier die Standards261. Er wurde noch 1978 unver-
ändert in einem Sammelband abgedruckt, der als Einführung in Problemstellung und
Methodologie der Landesgeschichte in Deutschland und Österreich konzipiert war262.
Lechner vertrat darin die österreichische Landesgeschichte. Hand in Hand mit dieser
254 UAW, PA KL, Schreiben des Dekans der Phil. Fak. an das BMU vom 12.11.1948.
255 Ebd.; wer sich der Stimme enthalten hatte, geht aus den zitierten Akten nicht hervor.
256 Pittioni, Lechner (wie Anm. 8) 586.
257 Zöllner, Lechner (wie Anm. 2) 566, 568.
258 Maximilian Weltin, Der Begriff des Landes bei Otto Brunner und seine Rezeption durch die verfassungs-
geschichtliche Forschung, in : ders., Land (wie Anm. 96) 384–409, hier 391.
259 Stadtarchiv Konstanz, NL Theodor Mayer, Schreiben Mayer an Lechner vom 06.11.1956 und 10.03.1957.
260 Heinz Dopsch, Vergleichende Landesgeschichte in Österreich : Realität, Vision oder Utopie ?, in : ZHVSt
91/92 (2000/01) 53–92, hier 67.
261 Lechner, Sinn (wie Anm. 106) 159–184.
262 Karl Lechner, Sinn und Aufgaben geschichtlicher Landeskunde, in : Probleme und Methoden der Landes-
geschichte, hg. v. Pankraz Fried (Wege der Forschung 492, Darmstadt 1978) 83–116.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien