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570 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer
dolf Broinger295. Nicht zuletzt Lechners wissenschaftlicher Reputation war es zu danken,
dass führende Gelehrte der Universität Wien in den Veröffentlichungen des Vereins pu-
blizierten, und auch die wissenschaftlichen Projekte des VfLKNÖ konnten sich sehen
lassen. Zu nennen ist hier etwa der gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften
herausgebrachte „Atlas von Niederösterreich“296 und das in jahrzehntelanger Arbeit von
Heinrich Weigl erarbeitete „Historische Ortsnamenbuch von Niederösterreich“ in den
1960er- und 1970er-Jahren297.
Für die Umsetzung derartiger Großprojekte und auch um die Landeskunde im uni-
versitären Bereich zu verankern, forcierte Lechner die Schaffung eines „Instituts für ge-
schichtliche Landeskunde von Niederösterreich“. Seine diesbezüglichen Initiativen ge-
hen hier bis in die Zwischenkriegszeit zurück. Bereits in dem repräsentativen Werk „Das
Bundesland Niederösterreich 1920–1930“, herausgegeben von der niederösterreichischen
Landesregierung, hatte sich Lechner 1930 öffentlich „für eine von der Landesregierung
erhaltene oder unterstützte Lehrkanzel für Landesgeschichte an der Wiener Universität“
starkgemacht298. In Verbindung damit forderte er auch die Schaffung einer „kleinere[n]
Körperschaft“, die „streng wissenschaftliche Aufgaben“ wie vor allem Akten- und wei-
tere Urkundeneditionen „unbehindert von der Sorge um Absatzmöglichkeit“ zu organi-
sieren hätte. In Fortführung der „alten Traditionen des 19. Jahrhunderts“ wünschte er
sich hier ein finanzielles Engagement des Landes Niederösterreich299. Nachdem er sich
Mitte der 1930er-Jahre in einem Vortrag neuerlich öffentlich für die Errichtung eines
landesgeschichtlichen Forschungsinstitutes, etwa in Verbindung mit einem Lehrstuhl für
Landesgeschichte, eingesetzt, gleichzeitig das Versagen der kompetenten Stellen in der Öf-
fentlichkeit beklagt und während der NS-Zeit an den diversen NS-volksgeschichtlichen
Instituts-Projekten des Geografen Fritz Bodo wenig Interesse gezeigt hatte300, unternahm
er bald nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft einen weiteren Versuch. Bestärkt
durch die Haltung Santifallers, der ihm anlässlich der Feier zum 50. Geburtstag 1947
295 Lechner, 1864–1964 (wie Anm. 88) 251f.
296 Atlas von Niederösterreich, hg. v. Kommission für Raumforschung und Wiederaufbau der ÖAW und VfL-
KNÖ, redigiert v. Erik Arnberger (Wien 1951–1958).
297 Heinrich Weigl, Historisches Ortsnamenbuch von Niederösterreich 1–8, unter Mitarbeit von Fritz Eheim,
Karl Lechner, Roswitha Seidelmann, Maximilian Weltin (Wien 1964–1981).
298 Karl Lechner, Heimatkunde und Landeskunde, in : Das Bundesland Niederösterreich. Seine verfassungs-
rechtliche, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung im ersten Jahrzehnt seines Bestandes 1920–
1930 (Wien 1930) 443–449, hier 448.
299 Ebd.
300 NÖLA, NL KL, K. VII, Mappe VII/6, Manuskript Aufgaben landeskundlicher Forschung und der Verein für
Landeskunde und Heimatschutz von Niederösterreich und Wien o.D. [ca. 1935–1937] ; zu den Projekten
Bodos siehe Helmuth Feigl, Landeskundliche Bestrebungen im Reichsgau Niederdonau, in : JbLKNÖ NF
63/64 (1998) 258–264.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien