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572 Stefan Eminger und Ralph Andraschek-Holzer
dessen Interesse für Geschichte und Kunde
dieses Landes weit über den engeren Rahmen
des Landes hinaustragen, müssten Biblio-
thek und Archiv aus der Referatseintei-
lung der Landesverwaltung ausgegliedert
und gemeinsam mit dem zu schaffenden
Institut – schon aus optischen Gründen –
direkt dem Landeshauptmann unterstellt
werden.
Warum diese Pläne nicht verwirklicht
wurden, ist nicht bekannt. Schon 1948
war Vancsa jedenfalls nicht mehr in Wien,
sondern als Leiter der „Studienbibliothek“
nach Linz gewechselt303. Lechner verfocht
dagegen weiter seine Instituts-Pläne. Sowohl in seinem Vortrag auf der ersten Tagung der
österreichischen Geschichtsvereine als auch in der kurz darauf gehaltenen Antrittsvorle-
sung 1949 an der Universität Wien304 forderte er die Schaffung eines „Institut[es], das
zugleich Forschungs- und Lehrstelle sein muß“305. Diesmal nannte er es – seiner
Venia entsprechend – „Institut für geschichtliche Landeskunde der österreichischen Do-
nauländer“ und stellte die Zusammenfassung und Vereinheitlichung der landeskundli-
chen und landesgeschichtlichen Bestrebungen als Hauptaufgabe heraus. Er sprach sich für
die Erstellung von einheitlichen Richtlinien für Fragestellung und Methode aus, „so daß
nach einem festen Plan an die Erforschung des Landes herangetreten“ werden könne306.
Doch auch nun ist von einem Echo auf seine Vorschläge nichts bekannt, und anlässlich
seiner Ernennung zum Titular-ao.-Prof. 1955 deponierte er bei der Unterrichtsverwaltung
erneut sein diesbezügliches Anliegen307. Im Zusammenhang mit der in den halbamtlichen
„Kulturberichten aus Niederösterreich“ Mitte der 1960er-Jahre geführten Diskussion um
die „Zukunft der Landeskunde“ erörterte Lechner abermals die Frage eines „Instituts für
Landes- und Volkskunde“308. Er hatte damals die Hoffnung auf Umsetzung seiner Pläne
303 Lechner, Vancsa (wie Anm. 93) 123.
304 Karl Lechner, Sinn und Aufgaben wissenschaftlicher Landeskunde, in : Kulturberichte aus Niederöster-
reich. Beilage der „Amtlichen Nachrichten der N.Ö. Landesregierung“ Heft 12 (1966) 92–96, hier 96.
305 Lechner, Sinn (wie Anm. 106) 159, 184 ; dieser Aufsatz, den Lechner übrigens seinem Kurskollegen
Santifaller zum 60. Geburtstag gewidmet hat, stellt die bedeutend erweiterte Fassung des auf der
Geschichtsvereinstagung gehaltenen Vortrags dar.
306 Ebd. 184.
307 UAW, PA KL, Curriculum vitae vom 17.03.1955.
308 Lechner, Sinn, 1966 (wie Anm. 313) 96.
Abb. 36 : Karl Lechner um 1970
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien