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Franz Huter (1899–1997) 597
zentralen Bozner Umsiedlungsbehörde des Reichskommissars für die Festigung deutschen
Volkstums, Heinrich Himmler, geführt wurde, war einem Vorstoß des zunächst deutsch-
nationalen, später streng nationalsozialistischen Wiener Archivdirektors Ludwig Bittner
beim Reichsminister des Inneren geschuldet20. Seit Juli 1940 leitete Huter demnach in der
Kulturkommission die Arbeitsgruppe Archive, welche mit Erfassung, Aufnahme, Sicher-
stellung und Abtransport archivalischer Bestände aus Südtirol beauftragt war.
Huter durfte seinerzeit als einer der besten Kenner der dortigen Archivlandschaft gel-
ten. Dazu hatten zum einen seine Dissertation über „Die Grundherrschaften des Tales
Schnals im Untervintschgau“ sowie seine durch Hans von Voltelini angeregte Untersu-
chung „Über die Quellen des Messgerichtsprivilegs für die Bozner Märkte von 1635“
beigetragen, die als Abschlussarbeit bei Dopsch am IÖG 1927 in Druck ging21 ; zum
anderen hatte Huter – teilweise im Auftrage des Münchner Instituts für die Erforschung
des deutschen Volkstums im Süden und Südosten, dem späteren Südost-Institut22 – Ende
der 1920er- und Anfang der 1930er-Jahre verschiedene, bisweilen konspirative Erhebun-
gen in Archiven entlang der Südtiroler Sprachgrenze durchgeführt. Als wissenschaftlicher
Mitarbeiter der Historischen Landeskommission für Tirol war er zudem seit 1926 mit
der Erstellung des „Tiroler Urkundenbuches“ befasst, mit dessen erstem, dem Vintschgau
und dem Südtiroler Etschland gewidmeten Band er sich 1938 habilitiert hatte23. Die
weit jenseits landesgeschichtlichen Interesses liegende volkstums- und revisionspolitische
Relevanz des Werkes, das sich in zeitgenössische raumideologische Konzepte einordnete,
hatte dem Vorhaben die finanzielle Unterstützung mehrerer volkswissenschaftlich ausge-
richteter Institutionen gesichert24.
völkischen Wissenschaften. Personen, Institutionen, Forschungsprogramme, Stiftungen, hg. v. Ingo Haar,
Michael Fahlbusch (München 2008) 356–367 ; Michael H. Kater, Das „Ahnenerbe“ der SS 1935–1945.
Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reiches (Studien zur Zeitgeschichte 6, München 42006) 159–170.
20 Zu Bittner siehe Thomas Just, Ludwig Bittner (1877–1945). Ein politischer Archivar, in : Österreichische
Historiker 1900–1945 (wie Anm. 7) 283–305.
21 Sie erschien als Franz Huter, Die Quellen des Messgerichts-Privilegs der Erzherzogin Claudia für die Bozner
Märkte (1635), in : Bozner Jb. für Geschichte, Kultur und Kunst (= BzJb) 1/2 (1927/28) 5–131.
22 Zum Südost-Institut, das bis 1938 einen wesentlichen Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf die Bearbeitung Süd-
tirols legte, siehe Gerhard Seewann, Das Südost-Institut 1930–1960, in : Südostforschung im Schatten des
Dritten Reiches. Institutionen – Inhalte – Personen, hg. v. Mathias Beer, Gerhard Seewann (Südosteuro-
päische Arbeiten 119, München 2004) 49–92 ; Südost-Institut München 1930–1990. Mathias Bernath zum
siebzigsten Geburtstag, red. v. Karl Nehring (München 1990).
23 Tiroler Urkundenbuch. Abteilung I : Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des
Vintsch gaues 1 : Bis zum Jahre 1200, hg. v. Franz Huter (Innsbruck 1937).
24 An der Finanzierung waren die Stiftung für deutsche Volks- und Kulturbodenforschung (Leipzig), das Institut
zur Erforschung des deutschen Volkstums im Süden und Südosten (München), die AFG (Innsbruck), die
Deutsche Akademie (München) sowie die ÖAW (Wien) beteiligt.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien