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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Page - 606 - in Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2

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606 Michael Wedekind deutschen Besatzung des privaten Archivbesitzes ehemaliger Südtiroler Optionsgegner zu bemächtigen bemüht. Huter konnte indes 1955 vor einem Gericht in Trient die erhobene Anklage wegen Kulturgüterraubes entkräften und glaubhaft machen, die Verbringung des Tolomei-Archivs nach Nordtirol auf Befehl seines Dienstvorgesetzten, dem 1948 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilten und hingerichteten Ahnenerbe-Leiter Sievers, veranlasst zu haben. Durch Mitwirken in der in Innsbruck ansässigen AFG war Huter schon in den 1930er- Jahren in den Dienst eines volkstumswissenschaftlichen Expertennetzwerkes getreten, das an der Schnittstelle zur Politikberatung nicht nur revisions- und expansionspolitische Konzeptionen für den Ostalpen- und oberen Adriaraum mit legitimatorischen Grundla- gen versah, sondern auch ethnopolitisches Wissen und interventionistische Sozialtechni- ken bereitstellte. Ende 1942 hatte er den Geologen Raimund von Klebelsberg zu Thum- burg in der Leitung der AFG abgelöst. Diese stand in enger Verflechtung mit der Tiroler Gauleitung, insbesondere seitdem die Geschäftsführung der Innsbrucker Einrichtung 1941 an Wolfgang Steinacker53, den Leiter des Tiroler Gaugrenzlandamtes und volkspo- litischen Dezernenten des Reichsstatthalters, übertragen worden war. Nach Teilnahme an einer Tagung der Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften im März 1944 in Prag bot das nunmehr zuständige Reichssicherheitshauptamt Huter im Sommer des Jahres eine weiter gehende, leitende Mitarbeit im Gesamtverbund der Forschungsgemeinschaften an. […] Museumsfragen zur Verfügung stelle. Mit Dr. Hoeniger zusammen haben wir zunächst die Lage im Mu- seum Bozen und in Maretsch beschaut und versperrt und versiegelt, was nötig war. Außerdem durchsuchte ich den Fremdenverkehrspalast, in dem ehemals das italienische Hochkommissariat untergebracht war, freilich ohne Erfolg. Gestern war ich mit der Gestapo in Glen bei Tolomei (dieser ist in der Nacht vom 9. auf den 10. verhaftet und dann nach Innsbruck gebracht worden), um eine vorläufige Bestandsaufnahme der Sammlungen (Museum der ‚Wieder- gewinnung Südtirols‘) und der Korrespondenz des ‚Alten‘ durchzuführen. Nächste Woche will ich nach [Castel] Toblino, um die 80 Kisten [mit Archivalien aus dem Staatsarchiv Bozen] und was sich beim Salonkommunisten sonst noch findet, sicherzustellen. Ich möchte das Material auch nicht dort lassen, sondern wieder heraufbringen [,] und zwar wegen der Luftgefahr nicht nach Bozen, sondern auf Schloss Neumelans in Sand in Taufers (Seitental) […]. Die Kirchenbuchaufnahmen lasse ich weitergehen im Sinne unserer letzten Besprechung […]. 53 Zu Steinacker, dem ältesten Sohn des Historikers Harold Steinacker, siehe Michael Wedekind, Wolfgang Steinacker, in : Handbuch der völkischen Wissenschaften (wie Anm. 19) 656–661 ; ders., „Wir arbeiten hier an der zukünftigen Gestaltung der Südmark“ : Nationalsozialistische Volkstumspolitik in der Operationszone Alpenvorland (1943–1945), in : Die Operationszone Alpenvorland im Zweiten Weltkrieg, hg. v. Andrea Di Michele, Rodolfo Taiani (Veröff. des Südtiroler Landesarchivs 29, Bozen 2009) 59–77 ; ders., Grenz- landwissenschaft (wie Anm. 36) ; Michael Gehler, Versteckter „Grenzlandkampf“ um Südtirol ? Die Um- siedlung aus der Sicht des Gaus Tirol-Vorarlberg, in : Die Option. Südtirol zwischen Faschismus und Nati- onalsozialismus, hg. v. Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte 5, Innsbruck 1989) 315–340 ; ders., Wolfgang Steinacker – Obstruktion gegen die „Achse“ Berlin–Rom. Aspekte zur Geschichte der Südtirolfrage und Umsiedlung, in : Das Fenster. Tiroler Kulturzeitschrift 23, 46 (1989) 4548–4554 ; ders., Hitler-Mythos (wie Anm. 8).
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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