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610 Michael Wedekind
Dass Huter diese bereits Ende 1950 wiedererlangte, dass er 1958 zum Ordinarius für
Österreichische Geschichte, im Folgejahr auf Betreiben des Mediävisten Leo Santifaller
zum wirklichen Mitglied der ÖAW ernannt und für das Studienjahr 1959/60 zum Dekan
der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck gewählt wurde, war vor allem
wechselseitigen Rehabilitierungsbemühungen des weiterhin tragfähigen volkstumswissen-
schaftlichen Personennetzwerkes – darunter insbesondere akademische Gesinnungskreise
Innsbrucks um Wopfner, Heuberger, Kinzl und Hans Kramer – zu danken. Der vollen
Reetablierung im Wissenschaftsbetrieb folgten bald Auszeichnungen und Ehrungen, auch
seitens der Politik64, welcher sich Huter als gesuchter Feiergestalter mit geistesverwandten
Geschichtsdeutungen zur Tiroler Landesidentität und zur Südtirol-Frage empfahl65. Auch
konnte er sich alsbald seinerseits für die Rehabilitierung politisch belasteter Kollegen –
insbesondere für jene seines Mentors Harold Steinacker, dem nationalsozialistischen Rek-
tor der vormaligen „Deutschen Alpenuniversität“ Innsbruck – verwenden : Diesem wurde
auf Initiative Huters 1960 die Ehrenmedaille der Universität Innsbruck verliehen und vier
Jahre später die Ernennung zum Ehrenmitglied der ÖAW zuteil.
Die Verortung Huters in der historiografischen Denkschule und in Netzwerken der
„völkischen“ Wissenschaft hat vor diesem Hintergrund als dringende Positionsbestim-
mung zu gelten. Seine Forschungen richteten sich weithin auf eine bevölkerungshistori-
sche Wissensproduktion. Der Südtiroler Archiveinsatz zwischen 1940 und 1945 erlaubte
ihm, diese auf eine breite, indes selektive Datenbasis zu stellen, welche er auch nach dem
Kriege ohne Paradigmenbrüche und Hinweis auf den Erhebungskontext nutzte. Diese
Wissensproduktion, der Verzerrungen und Unausgewogenheiten anzulasten sind, war
geschichtswissenschaftlichen Ordnungsvorstellungen unterworfen, die ethnisch-soziale
Grenzen formulierten.
Als Mitglied und Vorsitzender einer volkstumswissenschaftlichen Forschungseinrich-
tung mit ihrem volkstumspolitischen Beratungs- und Planungsstab hatte Huter bis 1945
an der Spitze eines personellen Ressourcenensembles gestanden, das sich politischer Pla-
64 1964 verlieh der Tiroler Landeshauptmann Eduard Wallnöfer Huter das Ehrenzeichen des Landes Tirol für
Verdienste auf wissenschaftlichem Gebiet. Bereits 1958 war Huter zum korrespondierenden Mitglied der
ÖAW ernannt worden. Seitens der Universität Innsbruck folgten 1969 die Goldene Jubiläums-Medaille und
1970 das Ehrendoktorat der Juridischen Fakultät. Im Jahre 1983 wurde Huter das Verdienstkreuz der Stadt
Innsbruck verliehen. Erinnert sei auch an die Huter-Festschriften aus den Jahren 1959 (Schlern-Schriften
207) und 1969 (Tiroler Wirtschaftsstudien 26), deren Herausgabe Ernest Troger bzw. der 1964 durch Huter
habilitierte Georg Zwanowetz übernommen hatten.
65 Vgl. Leidlmair, Landeskunde (wie Anm. 2), der eine beeindruckende Fülle von Laudationes, Nekrologen
und Festschriftbeiträgen für Vertreter des wissenschaftlichen und politischen Lebens Österreichs und Südtirols
nachweist. Hinzu treten die Festschriften für Hermann Wopfner und Harold Steinacker, den Juristen und
Neuzeithistoriker Oswald Gschließer, den Wirtschaftshistoriker Herbert Hassinger und den Neuzeithistoriker
Hans Kramer, welche von Huter eigenständig oder im Verbund mit Kollegen herausgegeben wurden.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien