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Franz Huter (1899–1997) 611
nung verfügbar machte. Dabei sei wissenschaftlich ausgerichtete Politikberatung „nicht
als Teil an exekutivem oder administrativem Handeln [verstanden], sondern [als] die geis-
tige Vorarbeit dafür, vorhandene politische und gesellschaftliche Strukturen sichtbar zu
machen, alternativ ein Modell für künftige, noch zu schaffende Sozial- und Bevölkerungs-
ordnungen vorzuführen“66 und gar auf mögliche Umstrukturierungsverfahren hinzuwei-
sen. Huter ist insofern, speziell in den Jahren zwischen 1943 und 1945, auch als Akteur
im Kontext nationalsozialistischer Ethnopolitik (zumindest aber ihres Planungsverfah-
rens) zu historisieren.
Gleichwohl gilt es, Huters unstrittige wissenschaftliche Verdienste nicht unter der
Kritik an volkstumspolitischer Instrumentalisierung seiner Forschung zu verschütten.
Seine Untersuchungsinhalte dürfen zwar insgesamt als wenig innovativ gelten und sind
vielfach in enger Anlehnung an diejenigen seiner Lehrer Wopfner und Stolz zu sehen.
Nachdrückliche Würdigung gebührt aber vor allem seinen bedeutenden quelleneditori-
schen Arbeiten, darunter wegen seiner „methodische[n] Modernität“67 speziell das nach
dem Kriege von ihm um zwei Bände vermehrte „Tiroler Urkundenbuch“68 – bis heute
ein unentbehrliches Instrument landesgeschichtlicher Forschung –, ferner die aus dem
Nachlass Hans von Voltelinis herausgegebenen „Südtiroler Notariats-Imbreviaturen des
66 Ingo Haar, „Kämpfende Wissenschaft“ : Entstehung und Niedergang der völkischen Geschichtswissenschaft
im Wechsel der Systeme, in : Deutsche Historiker im Nationalsozialismus, hg. v. Winfried Schulze, Otto
Gerhard Oexle (Frankfurt/M. 1999) 215–240, hier 219.
67 Tiroler Urkundenbuch. Abteilung II : Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals 1 : Bis
zum Jahr 1140, bearb. v. Martin Bitschnau, Hannes Obermair (Innsbruck 2009) XIII.
68 Urkundenbuch I/1, hg. v. Huter (wie Anm. 23) ; Tiroler Urkundenbuch. Abteilung I : Die Urkunden zur
Geschichte des deutschen Etschlandes und des Vintschgaues 2 : 1200–1230, hg. v. dems. (Innsbruck 1949) ;
Tiroler Urkundenbuch. Abteilung I : Die Urkunden zur Geschichte des deutschen Etschlandes und des
Vintsch gaues 3 : 1231–1253, hg. v. dems. (Innsbruck 1951).
Abb. 39 : Der Tiroler
Landeshauptmann Eduard
Wallnöfer überreicht Franz Huter
1971 das vom österreichischen
Bundespräsidenten verliehene
Ehrenkreuz für Wissenschaft und
Kunst.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien