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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 617
1942 an der Spitze des Reichsinstituts stehende Präsident, Theodor Mayer, ein gebürtiger
Österreicher, sich ausdrücklich zu jenen Historikern zählte, die sich dem von Heilig einst
vehement bekämpften gesamtdeutschen Gedanken verschrieben hatten7.
II.
Der „Anschluss“ Österreichs bedeutete freilich nur einen von vielen Einschnitten in Hei-
ligs Leben, das, als er unmittelbar vor Ende des Krieges, am 6. Mai 1945 in einem Tal der
Dolomiten den Tod fand, lediglich 38 Jahre gedauert hatte. Zunächst schien sein Lebens-
weg ausgesprochen geradlinig zu verlaufen8. Geboren wurde er am 14. März 1907 in dem
großen, unmittelbar an der Grenze zum schweizerischen Kanton Schaffhausen gelege-
nen, zum badischen Klettgau zählenden Weinbaudorf Erzingen (Kreis Waldshut)9. Sein
Vater Alois Heilig war Kaufmann und sah sich angesichts dieses Berufes aus der das Dorf
prägenden Schicht der Bauern herausgehoben. Hinzu kam, dass er weder aus Erzingen
und dem umgebenden Klettgau, ja auch nicht aus einer anderen Landschaft des Aleman-
nisch sprechenden Südbaden, sondern aus dem äußersten Norden Badens stammte, wo
man Fränkisch sprach und einer leichteren Lebensart zuneigte. Dagegen entstammte die
Mutter, Maria geb. Siebler, einer eingesessenen Erzinger Familie. Wie in anderen, vom
Katholizismus geprägten ländlichen Gegenden, wurde für einen aufgeweckten Knaben in
erster Linie der Beruf des Pfarrers in Erwägung gezogen. So auch für den jungen Konrad
Josef Heilig. Dies umso mehr, als ein Bruder des Vaters, Wendelin Heilig (29. Juli 1880–
19. Mai 1931), Geistlicher geworden war und seit 1916 in Müllheim, im evangelischen
Markgräflerland, d. h. in der „Diaspora“, als Pfarrer wirkte10. Das Vorbild des geistlichen
Onkels mag im Übrigen auch dazu beigetragen haben, dass Konrad Josefs älterer Bru-
der Hermann Josef (1905–1934) Schulbruder in der Privatlehranstalt der „Brüder von
der christlichen Lehre“ in dem zwischen Freiburg und Offenburg gelegenen Ettenheim-
münster geworden war. So war es geradezu selbstverständlich, dass der dreizehnjährige
Konrad Josef in ein auf den Priesterberuf vorbereitendes „Knaben-Konvikt“ geschickt
wurde, von dem aus er ein Gymnasium zu besuchen in der Lage war. Für „Knaben“ aus
7 Über ihn siehe Helmut Maurer, Theodor Mayer (1883–1972). Sein Wirken vornehmlich während der Zeit
des Nationalsozialismus, in : Österreichische Historiker 1900–1945. Lebensläufe und Karrieren in Österreich,
Deutschland und der Tschechoslowakei in wissenschaftsgeschichtlichen Porträts, hg. v. Karel Hruza (Wien/
Köln/Weimar 2008) 493–530.
8 Vgl. die Literatur in Anm. 2.
9 Zu Erzingen vgl. Wilhelm Hugo Mayer, Heimatbuch für den Amtsbezirk Waldshut (Waldshut 1926) 194–
199, und Hans Matt-Willmatt, Erzingen, in : Die Chronik des Kreises Waldshut (Waldshut 1957) 38–39.
10 Nachruf in : „Nekrologium Friburgense“, in : Freiburger Diözesan-Archiv (= FDA) 64 (1936) 13.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien