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618 Helmut Maurer
dem Kreis Waldshut kam dafür am ehesten das „Konradihaus“ genannte „Erzbischöfliche
Gymnasialkonvikt St. Konrad“ in Konstanz infrage11. Es lag nahe am See, am Ostrand
der Altstadt, gegenüber dem einstigen Dominikanerkloster, das im 14. Jahrhundert Wir-
kungsstätte Heinrich Seuses gewesen war. Um vom „Konradihaus“ zum 1911 jenseits
des Seerheins neu erbauten Gymnasium zu gelangen12, mussten die „Konradihäusler“ an
jedem Schultag die Rheinbrücke benützen und konnten sich stets erneut an dem weit
über den See bis zum Säntis oder den Vorarlberger Alpen schweifenden Blick erfreuen.
Am 12. September 1920 trat Heilig in die Untertertia des Konstanzer Gymnasiums, des
heutigen altsprachlichen „Heinrich Suso-Gymnasiums“ ein13. Zwei Jahre später starb
sein Vater ; das hatte unter anderem zur Folge, dass seine Mutter nach Müllheim zog, wo
ihr Schwager als Stadtpfarrer wirkte. Nicht mehr das noch einigermaßen nahe bei Kons-
tanz gelegene Erzingen, sondern Müllheim, jenseits des Schwarzwaldes, südlich von Frei-
burg gelegen, wurde bis zum Tod seiner Mutter (1934) zur Heimat des insgesamt sechs
Jahre in Konstanz zur Schule gehenden Konrad Josef Heilig. Im dortigen „Konradihaus“
begegnete er in dessen Rektor und seinen Präfekten drei bedeutenden Priesterpersönlich-
keiten : Rektor war Matthäus Lang, von dem es in einem Nachruf hieß14, er sei „einer der
verdienstvollsten Erzieher des theologischen Nachwuchses der Erzdiözese Freiburg und
eines größeren Kreises der studierenden Jugend überhaupt“ gewesen. „Das Konradihaus
war sein Leben und sein Reich.“ Als Präfekten erlebte Heilig zunächst Hugo Hermann15.
Hermann wechselte freilich schon 1922 als Kaplan an den „Campo Santo Teutonico“
in Rom und promovierte 1925 in Freiburg zum Dr. theol. Ihm folgte als Präfekt im
„Konradihaus“ Emil Rümmele16. Ihm, der im Jahr 1938 mit einer Dissertation über das
erstaunlich moderne Thema „Der Spielfilm als pastoraltheologisches Problem“ promo-
vierte, wird nicht nur ein „geistreicher Humor“, sondern auch ein „weitgehender Einfluss
auf alles, was das Leben im Haus betraf“ nachgerühmt, „wobei es ihm immer gelang,
den goldenen Mittelweg zwischen nötiger Strenge und ebenso nötiger Güte und Geduld
zu finden“. Am Konstanzer Gymnasium legte der von solchen Priesterpersönlichkeiten
Geprägte am 19. März 1926, ausgezeichnet mit dem ersten Klassenpreis, das Abitur
ab. Positiv aufgefallen war der Gymnasiast Heilig schon vorher dadurch, dass er sich
11 Über das „Konradihaus“ vgl. „Heimatklänge aus Konradingen. Sondernummer 1866 (1901)–1926“ (Kons-
tanz 1926).
12 Vgl. Theodor Humpert, Heinrich-Suso-Gymnasium Konstanz. Jubiläumsschrift zur Feier des 350-jährigen
Bestehens (Konstanz 1954) 24–27.
13 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 2, Abschnitt H 2.
14 Nachruf in : „Necrologium Friburgense“, in : FDA 71(1951) 221–223.
15 Nachruf in : „Necrologium Friburgense“, in : FDA 106 (1986) 379.
16 Nachruf aus der Feder von Heiligs einstigem Klassenkameraden Erwin Keller in : „Necrologium
Friburgense“, in : FDA 106 (1986) 284–287.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien