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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 619
mit Keilschriften und mit ägyptischen und hethitischen Hieroglyphen befasst hatte17.
Conabiturient in der Parallelklasse war im Übrigen der Kreuzlinger Emil Staiger, der
später berühmt gewordene Zürcher Literaturhistoriker18. Als das „Konradihaus“ wenige
Monate später, am 2. August 1926 das „Silberjubiläum“ seines 1901 errichteten Neubaus
feierte, fand sich in der Liste der „Zöglinge“, die in die zu diesem Anlass erschienene
Festschrift Aufnahme gefunden hatte, auch folgender Eintrag : „Nr. 181 Heilig, Konrad,
Erzingen, 1920/26 stud. Theol. Freiburg“19. Einige Seiten später war darüber hinaus zu
lesen : „Beim Feste waren außer den jetzigen Vorstehern folgende Herren im Hause an-
wesend : […] Heilig, Konrad.“20
Heilig hatte also, wie von einem „Zögling“ des Konstanzer „Erzbischöflichen Gymna-
sialkonvikts“ nicht anders zu erwarten war, im Sommer 1926 an der Universität Freiburg
das Studium der Theologie aufgenommen21. Wiederum bildete seine tägliche „Heimat“
ein Konvikt, das „Erzbischöfliche Theologische Konvikt“ „Collegium Borromaeum“
(= CB), von dem aus er in beinahe täglichem Gang durch die Altstadt Freiburgs, vorbei
am gotischen Münster, zusammen mit anderen Theologiestudenten, die Lehrveranstal-
tungen in dem 1911 neu errichteten Kollegiengebäude besuchte, an dessen Giebel die
Inschrift „Die Wahrheit wird Euch frei machen“ zu lesen war.
Als Angehöriger seines „Ersten Kurses“ im CB konnte er durchweg gute bis sehr gute
Noten vorlegen22. Und nicht anders lautete die Bewertung seiner Leistungen in den nächs-
ten Kursen. Nur im „Vortrag“ und in „Moraltheologie“ waren seine Noten etwas schlech-
ter. Zum Sommersemester 1929 berichtete die Direktion des CB an das Erzbischöfliche
Ordinariat dies : Von den zur Erweiterung ihrer Studien Beurlaubten hat Konrad Josef Heilig
bei Professor Finke mit einer Arbeit über Langenstein „magna cum laude“ promoviert […]
Heilig wird zum Wintersemester in den Dritten Kurs zurückkehren. Im Bericht des CB über
das Wintersemester 1929/30 steht dann aber zu lesen : Am Ende der Herbstferien reichte
K. H. sein Austrittsgesuch ein. Woraufhin das Ordinariat dem CB am 6. November 1929
antwortete : Wir nehmen Kenntnis von dem Austritt des Alumnen […] K.J.H. […] Dass
die zu profanen Studien beurlaubten Konviktoren H. und […] nunmehr beide der Theologie
den Rücken wenden, ist eine beachtenswerte Tatsache. Der Austritt Heiligs aus dem theolo-
gischen Konvikt bedeutete zugleich seinen Verzicht auf die Absicht, Priester zu werden.
17 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 16 Anm. 2.
18 Humpert, Gymnasium (wie Anm. 12) 105f.: „Jahrgang 1925/26“.
19 „Heimatklänge“ (wie Anm. 11) 36.
20 Ebd. 52f.
21 UAF, Matrikel A 66/15. Für die Überlassung von Kopien aus dem UAF danke ich Herrn Archivdirektor Prof.
Dr. Dieter Speck herzlich.
22 Für das Folgende stütze ich mich auf die im Erzbischöflichen Archiv Freiburg i. Br. verwahrten Unterlagen des
CB, deren Inhalt mir Herr Archivdirektor Dr. Christoph Schmider dankenswerterweise zugänglich machte.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien