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626 Helmut Maurer
Akademie-Kommission in seinem Vorwort nur dies zu sagen : „Über die Schicksale des
nicht gerade von Glück begünstigten Unternehmens wurde in den Vorbemerkungen zu
den beiden ersten Bänden gehandelt. Aber auch in der Folge machte die Arbeit nur sehr
langsam Fortschritte. Der Freiburger Diözesanarchivar Konrad Josef Heilig, ein ausge-
zeichneter Handschriftenkenner, dem die weitere Bearbeitung anvertraut war, kehrte aus
dem zweiten Weltkrieg nicht mehr zurück ; was er zum Manuskript Gottlobs beigesteuert
haben mag, ist verschollen.“64
Im März und April 1933, d. h. bald nach der nationalsozialistischen Machtergreifung
in Deutschland, hatte Heilig die badische Heimat anlässlich einer im Auftrag der Wiener
Akademie unternommenen Bibliotheksreise während etwas mehr als vier Wochen wie-
dergesehen. Mit dem Direktor der Freiburger Universitätsbibliothek Josef Rest – auch
er nebenbei bemerkt ein einer freilich früheren Generation angehörender Schüler Finkes
– hatte er noch von Wien aus vereinbart, während dieses Aufenthaltes vom 8. März bis
zum 13. April 1933 gegen Honorar den gesamten lateinischen und deutschen Handschrif-
tenbestand der Freiburger Universitätsbibliothek […] zu verzeichnen65. In seinem aus dem
nahen Müllheim, dem Wohnort seiner Mutter, datierten Abschlussbericht an Rest vom
13. April 1933 musste er freilich bekennen, daß in solcher Zeit das Material unmöglich zu
bewältigen sei ; Unterzeichneter konnte nur 120 neue Handschriften beschreiben. Er verpflich-
tete sich aber, in späterer Zeit, etwa in den Oster- und Großen Ferien 1934 die Arbeit zuende
zu führen und in Wien […] an der Erweiterung der Kataloge zu arbeiten. Dazu kam es frei-
lich nicht mehr. Aber als Wilfried Hagenmaier 1974 den gedruckten Katalog über „Die
Lateinischen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek Freiburg i. Br.
Hs. 1–230“ herausbrachte, konnte er auch auf die Karteikarten zurückgreifen, die 1933
„durch den Historiker und Publizisten Konrad Josef Heilig“ für insgesamt 120 Codices
angelegt worden waren66.
Die Katalogisierung der Freiburger Handschriften führte Heilig nachträglich zu ei-
ner vor allem für die Germanistik folgenreichen Entdeckung. Aus Wien konnte er an
Direktor Rest in Freiburg am 15. Oktober 1933 Folgendes berichten : Heute habe ich
nicht umsonst mal wieder mich hinter die Handschriften Ihrer Bibliothek gemacht und den
Haupttreffer aus ihnen gewonnen. Unter den zahlreichen Stücken des Cod. 163 habe ich heute
den lateinischen Widmungsbrief des Dichters des Ackermanns aus Böhmen gefunden, worin
sich der Verfasser selbst nennt als Johannes de Tepla, wie Bernt, Bartos und Beer gegen Burdach
64 Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs 3 : Steiermark, bearb. v. Gerlinde Möser-Mersky (Graz/
Wien/Köln 1961) VII.
65 Das Folgende nach UAF, Bibliotheksakte B 6/585.
66 Wilfried Hagenmaier, Die Lateinischen mittelalterlichen Handschriften der Universitätsbibliothek Frei-
burg i. Br. (Hs. 1–230) (Wiesbaden 1974) XIII.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien