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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 631
anschauungen im deutschen Volke geworden, Kruckenkreuz und Hakenkreuz. Diese
‚nordische Sonnenrune‘, die heute über dem Dritten Reiche weht, gilt in weiten Kreisen
[…] als Symbol der nordischen, vorzeitlichen und heidnischen Rasse, von der angeblich
alle Kultur der ganzen Welt abstammt. […] Als es seine Herrschaft auch über Österreich
auszudehnen drohte, setzte dieses ihm ein anderes, am Kreuze Christi geadeltes Zeichen
entgegen, das Kruckenkreuz, das im christlichen Mittelalter höchste Ideale des Abend-
landes und des Rittertums verkörperte […].“
Angesichts dieser pro-österreichischen „Kampfschrift“ verwundert es nicht, dass die
„Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ (die heutige „Deutsche Forschungsge-
meinschaft“), die im Rahmen der „Deutsch-Österreichischen Wissenschaftshilfe“ auch
an die beiden in Österreich lebenden jungen Historiker bzw. Rechtshistoriker Konrad
Josef Heilig und Hans Lentze Stipendien verliehen hatte, im selben Jahr 1934 beiden eine
weitere Unterstützung versagte. Hirsch, seit dem 1. Oktober 1929 als Nachfolger Redlichs
wirkender Vorstand des ÖIG92, der den ebenfalls 1929 als außerordentliches Mitglied in
das Institut eingetretenen und 1931 von ihm mit-geprüften Heilig aufs Beste kannte,
setzte sich, nachdem die Angaben, die zur Maßregelung der beiden Herren geführt haben, of-
fenbar aus dem Kreis von Mitgliedern des Instituts stammten, bei Friedrich Schmidt-Ott,
dem Präsidenten der „Notgemeinschaft“, mit Schreiben vom 16. Mai 1934 für Heilig ein :
Der Fall des Dr. Heilig aber geht mir persönlich nahe, da es sich hier um einen ausserordent-
lich wertvollen jungen Gelehrten handelt, der bereits grosse Erfolge errungen hat. Eben jetzt
im letzten Heft unserer Mitteilungen ist wieder ein kurzer Aufsatz von ihm erschienen, der
ihn weit über das deutsche Kulturgebiet hinaus bekannt machen wird, da ihm die endgültige
Feststellung des Verfassers der berühmten frühhumanistischen Dichtung ‚Der Ackermann aus
Böhmen‘ geglückt ist. In Heilig erwächst der deutschen Wissenschaft ein vollwertiger Vertreter
der mittellateinischen Philologie, die nach den ersten Erfolgen unter Traube, Winterfeld, Stre-
cker und W. Meyer (Göttingen) nun gänzlich ohne Fortsetzer dazustehen scheint93. An Finke
schrieb Hirsch zwei Tage später über dessen einstigen Freiburger Doktoranden Heilig
nicht weniger lobend : Seine wissenschaftliche Entwicklung verläuft ja wirklich den Erwar-
tungen gemäß, die Sie von allem Anfang im Bezug auf seine Leistungsfähigkeit hegen durften.
Für uns hier ist er wertvoll durch seine Arbeiten zur spätmittelalterlichen österreichischen
Geschichte. Die Entdeckung in der Universitätsbibliothek Freiburg im Breisgau, durch die die
Verfasserfrage für die frühhumanistische Dichtung ‚Der Ackermann aus Böhmen‘ endgültig
geklärt wird, dürfte seinen Namen über das deutsche Kulturgebiet hinaus schon jetzt bekannt
92 Vgl. Andreas H. Zajic, Hans Hirsch (1878–1940). Historiker und Wissenschaftsorganisator zwischen Ur-
kunden- und Volkstumsforschung, in : Österreichische Historiker (wie Anm. 7) 307–417, hier 331.
93 Brief in IÖG, Archiv, NL Hans Hirsch ; die Kenntnis seines Textes habe ich Karel Hruza zu verdanken. Vgl.
auch Stoy, Institut (wie Anm. 35) 102.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien