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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 633
tion zu betreuen hatte sich der Grazer Neuzeithistoriker Hugo Hantsch bereit erklärt99.
Das verwundert nicht, denn ähnlich wie Heilig vertrat „der Antinazi und Anschluß-Geg-
ner Hugo Hantsch“ eine „großdeutsche Position alten Stils“, sah den „Führungsanspruch
allein bei Österreich“ und sprach sich überdies „für das ständestaatliche Österreich“ aus.
„Wie Hantsch so schwärmte auch Konrad Josef Heilig mit deutlich katholisch-imperialem
Akzent von Österreich als dem wahren Träger der Reichsidee. Seine historiographische
Konstruktion richtete sich gegen die völkisch-imperialistische Reichsidee der Nationalso-
zialisten. Für Heilig war das entscheidende Beiwort ‚katholisch‘ und nicht mehr ‚deutsch‘ ;
mit der großdeutschen Ideologie hatte aber auch seine Position den Reichsgedanken sowie
die Verkündigung einer Führungsaufgabe des deutschsprachigen Österreichs in Mitteleu-
ropa gemein.“100
Hantsch schrieb am 6. März 1936 an Heilig : Ich habe immer noch den Wunsch, Sie
zu habilitieren101, eine Absicht, die noch Jahrzehnte später von Fritz Posch bestätigt
wurde102. Angesichts der prononciert katholisch-österreichischen Geschichtsauffassung
ihres Autors bestand aber offenbar weder in Graz, noch gar in Wien die Möglichkeit,
dass das Werk als Habilitationsschrift akzeptiert werden würde. Dies umso weniger, als
der Gsúr-Verlag, in dem 1936 auch die zweite, verbesserte, mit „Wien, am 800. Todestag
St. Leopolds, dem 15. November 1936“ datiertem Vorwort versehene Auflage von Hei-
ligs „Kruckenkreuz“ erschien, jenem Ernst Karl Winter gehörte, der „als interessantester
legitimistischer österreichischer Publizist des ständestaatlichen Ära“ bezeichnet wurde103.
Er sah sein zweibändiges Werk über „Rudolph IV. von Österreich“ bewusst als „ein staats-
politisches Buch“ an, das mithelfen sollte, „dem neuen Österreich aus Wissenschaft und
Geschichte eine neue staatspolitische Ideologie zu schaffen“, und zwar ausdrücklich gegen
eine Wissenschaftsauffassung, „die bisher in Österreich sich eigentümlicherweise in ganz
offizieller Form als ein Glied der imaginären deutschen Kultureinheit gefühlt hat, die aber
nunmehr die Universitas Austriaca werden muß, koste es was immer. […] Dieser Geis-
99 Zu ihm siehe den Beitrag von Johannes Holeschofsky in diesem Band.
100 Gernot Heiss, Im „Reich der Unbegreiflichkeiten“. Historiker als Konstrukteure Österreichs, in : ÖZG 7/4
(1996) 455–478, hier 464–466. Zu Hantschs und Heiligs politischen Ansichten vgl. auch Fritz Fellner,
Geschichtsschreibung und nationale Identität (Wien/Köln/Weimar 2002) 74f., 167f., 175–177, 360–371 ;
vgl. auch Staudinger, „Österreich“-Ideologie (wie Anm. 37) 204–206.
101 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 2 Abschnitt H 2.
102 Fritz Posch, in : Recht und Geschichte, hg. v. Hermann Baltl, Nikolaus Grass, Hans Constantin Faus-
sner (Sigmaringen 1990) 197–219, hier 215 : „Hugo Hantsch wollte nur Prof. Konrad Joseph Heilig oder
mich habilitieren.“
103 staudinger, „Österreich“-Ideologie (wie Anm. 87) 226 ; über den Politiker Winter vgl. Wolfgang Häus-
ler, Der Beitrag der ÖKP und der Legitimisten zum Selbstverständnis Österreichs vor 1938, in : Römische
Historische Mitteilungen 30 (1988) 381–411, und die weiterführende Literatur bei Fellner, Corradini,
Geschichtswissenschaft (wie Anm. 3) 459.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien