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640 Helmut Maurer
nicht nur in die heimische Erzdiözese Freiburg und in kirchliche Dienste zurückgekehrt ;
sein Dienstsitz, das Erzbischöfliche Ordinariat, lag in unmittelbarer Nachbarschaft jenes
Konvikts, das Heilig nach seinem Entschluss, von der Theologischen zur Philosophi-
schen Fakultät überzuwechseln, 1929 verlassen hatte. Angesichts seines neuen archivari-
schen Aufgabenfeldes und angesichts von Österreichs „Anschluss“ war an eine Wieder-
aufnahme der ihn noch bis 1937 beschäftigenden Österreich-Thematik nicht mehr zu
denken. Stattdessen hatte er in Orten, die nach Kriegsausbruch in den Bereich der Front
gegenüber Frankreich zu liegen kamen, Pfarrarchive und vor allem deren Kirchenbücher
zu sichern. Darüber hinaus war ihm aufgetragen, für den zweiten Band des „Handbuchs
des Erzbistums Freiburg“, dessen erster Band noch 1939 hatte erscheinen können142, den
historischen Teil und eine als Beilage geplante Karte zu bearbeiten, die „in übersichtli-
chen Abgrenzungen die Diözesen darstellt, aus deren Teilen im vergangenen Jahrhun-
dert das Erzbistum Freiburg gebildet worden ist“143. An die Stelle der mit politischen
Implikationen betriebenen Geschichte Österreichs im Mittelalter war notgedrungen,
wenn auch gewiss nicht ungern betrieben, die „Kirchliche Landesgeschichte“ getreten.
Während der zweite Band des „Handbuchs“, das – nach Heiligs eigenen Worten in der
geplanten und begonnenen Ausführung das beste geschichtliche Nachschlagewerk über Baden
und Hohenzollern werden soll 144 – wegen des Krieges nie erscheinen konnte, wurde die
von Heilig bearbeitete Karte ausgedruckt. Angesichts dessen war es für ihn nicht schwer,
anlässlich einer Zusammenkunft südwestdeutscher Geschichtsvereine Anfang Juni 1939
in Sigmaringen innerhalb einer über die Schaffung eines historischen Atlasses für den
deutschen Südwesten geführten Diskussion seine brieflich übermittelte Bereitschaft zur
Mitarbeit an einem derartigen Atlaswerk verkünden zu lassen. Der Bericht, der über die
Zusammenkunft in den „Blättern für deutsche Landesgeschichte“ erschien145, und die
darin enthaltene Nennung des „Archivars beim Erzbischöflichen Ordinariat Dr. Heilig
– Freiburg“ wurde auch in Wien gelesen146. Das hatte zur Folge, dass der Präsident der
dortigen Akademie der Wissenschaften Srbik am 22. Januar 1940 das Freiburger Erzbi-
schöfliche Ordinariat darum bat, Heilig zu veranlassen, daß er uns alle im Zusammenhang
142 Handbuch des Erzbistums Freiburg 1. Realschematismus (Freiburg 1939).
143 Wie Anm. 142, hier Vorwort 3.
144 Erzbischöfliches Archiv Freiburg i. Br. „B 2 – 8/43 Generalia Erzbistum Freiburg. Rubrik : Behörden. Erzbi-
schöfliche Kanzlei, Betreff : Hilfsarbeiter“. Schreiben vom 04.11.1940.
145 Vgl. Joseph Ludolph Wohleb, [Protokoll] Zweite Zusammenkunft südwestdeutscher Geschichtsvereine. 3.
und 4. Juni 1939 in Sigmaringen, in : Blätter für deutsche Landesgeschichte 85 (1939) 134–156, hier 142–
145 Diskussion über Schaffung eines historischen Atlasses für den deutschen Südwesten (Dr. Senn). Dazu
Meinrad Schaab, Der Historische Atlas von Baden-Württemberg, in : Staatliche Förderung und wissen-
schaftliche Unabhängigkeit der Landesgeschichte (Veröff. der Kommission für geschichtliche Landeskunde
in Baden-Württemberg B 131, Stuttgart 1995) 128–172, hier 130f.
146 Zum Folgenden vgl. Anm. 34.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien