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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 641
mit dem ihm erteilten Arbeitsantrag abgefaßten Schriftstücke unserer Akademie ehebaldigst
zurückstelle. Der Brief Srbiks, dessen politischer Gegner Heilig noch vor gar nicht so
langer Zeit gewesen war, enthält einen Satz, der auf Heiligs überstürzte „Flucht“ aus
Wien verweist : Offenbar in Zusammenhange mit dem Umbruch hat er Wien verlassen und
auf wiederholte Zuschriften von Altpräsident Hofrat Redlich keine Antwort gegeben. Eine
„Gegenrechnung“, die Heilig daraufhin aufmachte, hat die Angelegenheit letztlich im
Sande verlaufen lassen.
Dem „Hilfsarchivar“ Heilig hatte das Erzbischöfliche Ordinariat inzwischen noch
weitere Arbeiten übertragen. Er sollte – im Anschluss an den 1902 veröffentlichten Re-
gisterband147 – den Inhalt der seitdem erschienenen rund 40 Bände der vom „Kirchen-
geschichtlichen Verein“ des Erzbistums Freiburg herausgegebenen Zeitschrift „Freibur-
ger Diözesan-Archiv“ durch in den Druck zu gebende Indices erschließen148 und er
sollte die Handschriften des Ordinariatsarchivs katalogisieren. Neben diesen kirchen-
amtlichen Aufträgen arbeitete er sich aber selbst in die Kirchliche Landesgeschichte
der Erzdiözese ein. So sprach er am 26. Juli 1939 auf der außerordentlichen Jahresver-
sammlung des Kirchengeschichtlichen Vereines im nordbadischen Tauberbischofsheim
über „Fragen und Aufgaben der kirchengeschichtlichen Forschung im badischen Fran-
kenland“. „Methodisch und pädagogisch war der Vortrag eine Meisterleistung.“149 Und
ein Jahr später konnte ein umfangreicher Aufsatz aus seiner Feder über konfessionelle
Wirren, die Gerichtstätten, den Heimatort seines Vaters während des 17. Jahrhunderts
heimgesucht hatten, erscheinen150. Er hatte die Studie vermutlich während seines Auf-
enthalts in der väterlichen Heimat zwischen dem Weggang aus Wien im April 1938
und dem Neubeginn in Freiburg im Oktober 1938 erarbeitet. Er plante noch eine
Vielzahl weiterer wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die der kirchlichen Landesge-
schichte dienen sollten. Bei der Befassung mit landesgeschichtlichen Themen aber ließ
er es während seiner wenigen Freiburger Jahre keineswegs bewenden. Vielmehr hatte
er einen Aufsatz mit dem Titel „Vom Ursprung des Wortes National“ verfasst, der im
„Historischen Jahrbuch“ der Görresgesellschaft erscheinen sollte151. Dessen Schriftlei-
147 FDA Register zu Band I bis XXVII (Freiburg 1902).
148 Vgl. FDA Registerband zu den Bänden 28–104 (Freiburg 1986).
149 Vgl. den Bericht über das Vereinsjahr 1939, in : FDA 67 (1940) 269f.
150 Konrad Josef Heilig, Wie Gerichtstetten wieder katholisch wurden, in : FDA 67 (1940) 1–89.
151 Sollte erscheinen in : HJb 62 (1942) 19–65 ; vgl. auch Balcar, Heilig 1 (wie Anm. 2) 23 und 184–189.
Über das Schicksal dieses Bandes des HJb vgl. Johannes Spörl in seinem Vorwort zu Band 62–69 (1949)
und Ursula Wiggershaus-Müller, Nationalsozialismus und Geschichtswissenschaft. Die Geschichte
der Historischen Zeitschrift und des Historischen Jahrbuchs 1933–1945 (Studien zur Zeitgeschichte 17,
Hamburg 1998) 87. Wiedergabe des bereits gesetzten Textes von Heiligs Aufsatz bei Balcar, Heilig (wie
Anm. 2) 2, Abschnitt H 5.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien