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642 Helmut Maurer
ter, den Mittelalterhistoriker Johannes Spörl, dürfte Heilig nach seiner Rückkehr in
Freiburg kennengelernt haben152. Zu diesem Aufsatz, „der bereits im Umbruch für das
Historische Jahrbuch […] gesetzt war, als diese Zeitschrift das Erscheinen einstellte“,
meinte er allerdings 1944, er sei „[…] durch eigene Forschung […] inzwischen schon
überholt worden“153. Dennoch vermittelt eine Lektüre des Aufsatzes den Eindruck,
dass die darin enthaltenen Befunde auch heute noch Aufmerksamkeit verdienen wür-
den.
Dieser „wissenschaftliche Aufbruch“ dauerte freilich nur kurz154. Erneut griffen poli-
tische Ereignisse in Heiligs Leben ein. Nachdem es seiner Kirchenbehörde zunächst ge-
lungen war, für ihn eine Zurückstellung zu erwirken, musste er dann schließlich doch im
Juli 1940 Soldat in jener „Wehrmacht“ werden, deren Einmarsch ihn im Frühjahr 1938
aus dem geliebten Österreich vertrieben hatte. Zunächst im Juli bei der Luftnachrichten-
truppe, dann seit August bei der Kriegsmarine kam er über die Stationen Wilhelmshaven,
Glückstadt und Breda im besetzten Holland im Sommer 1941 nach Berlin. Dort arbeitete
der „Schreibstuben-Gefreite Dr. Conrad Heilig“ bis Herbst 1942 im Oberkommando
der Kriegsmarine in der Bendlerstraße 21. Danach wurde er wieder nach Wilhelmshaven
versetzt. Der Aufenthalt in Berlin und der gewiss nicht allzu anstrengende Dienst in ei-
ner Schreibstube musste den gelehrten Soldaten angesichts der hier vorhandenen Biblio-
theken geradewegs dazu verlockt haben, wissenschaftlich weiterzuarbeiten. Er nutzte die
Chance, um seine in Wien begonnenen Untersuchungen über das „Privilegium minus“,
jenes im Original seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr vorhandene Privileg Kaiser Fried-
richs I. vom 17. September 1156 für Herzog Heinrich (II.) von Österreich und seine
Gattin Theodora, eine Nichte des oströmischen Kaisers Manuel (I.), weiterzuführen155.
Dass sich Heilig bereits seit Langem mit diesem Thema beschäftigt hatte, zeigen entspre-
chende Artikel, die er seit 1934 in Wochenblättern und Tageszeitungen erscheinen ließ156.
152 Spörl wirkte seit 1934 als Privatdozent und seit 1940 als apl. Professor in Freiburg, vgl. Freiburger
Philosophische Fakultät (wie Anm. 24) 1005.
153 Heilig, Ostrom (wie Anm. 6) 109f.
154 Das Folgende nach der Akte Erzbischöfliches Archiv Freiburg i. Br. „B 2 – 8/43 Generalia Erzbistum Frei-
burg. Rubrik : Behörden. Erzbischöfliche Kanzlei, Betreff : Hilfsarbeiter“. Vgl. Anm. 34.
155 Vgl. den Druck des „Privilegium minus“ in : MGH Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser X.
Die Urkunden Friedrichs I. (1152–1190) 1, bearb. v. Heinrich Appelt (Hannover 1975) Nr. 151, und
Urkundenbuch zur Geschichte der Babenberger in Österreich IV/1, ergänzende Quellen 976–1194, be-
arb. v. Heinrich Fichtenau, Erich Zöllner in Zusammenarbeit mit Heide Dienst (Wien 1968) Nr.
803.
156 So etwa Konrad Josef Heilig, Die Anfänge der Donaupolitik der Babenberger, in : Wiener politische Blätter
1, Nr. 14 (1933/34) 1–5, oder noch eindeutiger ders., Osteuropäischer Einfluß auf die Gründungsurkunde
Österreichs, das sogenannte Privilegium minus, in : Sturm über Österreich 2, Nr. 47 (1934/35) 3 ; ders.,
Byzantinische Einflüsse auf Österreich im 12. und 13. Jahrhundert, in : Reichspost 42, Nr. 311 (1935) 17f.;
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien