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Österreichische Historiker - Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
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Konrad Josef Heilig (1907–1945) 645 hatte schon Appelt 1949 von „der in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Leistung Hei- ligs“ und von dessen „außerordentlichem Scharfsinn“ und überdies davon gesprochen, dass Heilig „auch die letzten Bedenken gegen die Echtheit [des Privilegium minus] restlos zerstören“ konnte168. In dieser Hinsicht hatte bereits Heinrich Mitteis 1947 das „große Verdienst Heiligs“ gewürdigt, „mit staunenswerter Gelehrsamkeit einen Beweis aufge- baut zu haben, der zur vollständigen Rehabilitierung der Urkunde von 1156 führt“169. Die Einwände, von denen Lhotsky gesprochen hatte, bezogen sich auf die für Heiligs Argumentation zentrale These von einer „unmittelbaren byzantinischen Beeinflussung des Minustextes“170. Für eine solche stützte sich Heilig vor allem auf mittelgriechische Formeln, denen er – ins Lateinische übersetzt – in der im Privilegium minus enthaltenen Wendung affectare aliquid alicui wieder begegnen zu können glaubte. Damit wäre ihm eine Erklärung für den in der Forschung zum Privilegium minus bis dahin umstrittens- ten Passus geglückt171, demgemäß dem Herzogspaar im Falle seiner Kinderlosigkeit die Libertas affectandi, d. h. die Freiheit zustehe, sein Herzogtum wem immer es wollte zu vermachen. Appelt hat indessen mithilfe von „affectare“-Belegen des zu Heiligs Zeiten noch nicht vorliegenden ersten Bandes des „Mittellateinischen Wörterbuchs“ nachwei- sen können, dass dessen „mit einem Aufwand an staunenswerter Gelehrsamkeit unter- nommener Versuch, die libertas affectandi auf byzantinischen Einfluß zurückzuführen“, „nicht geglückt“ sei, daß vielmehr „affectare […] als Synonym von donare, affectatio als Ausdruck für die Schenkung eines Gutes an die Kirche verwendet worden sei“ und „die Beispiele nach Westeuropa“ weisen172. Zuvor aber hatte der Byzantinist Franz Dölger der Analyse Heiligs bescheinigt, dass sie „vor keiner Schwierigkeit zurückschreckt“ und „mittels glücklicher Kombination und scharfsinniger Interpretation eine alte Frage zu ihrer […] evident richtigen Lösung bringt“ und die Probleme „mit ebensoviel Spürsinn wie Gründlichkeit unter zum großen Teil neuen Gesichtspunkten und mit staunens- werter Quellen- und Literaturkenntnis geprüft“ habe. „Heiligs Buch ist, sowohl was die 168 Heinrich Appelt, Rezension [von Heilig, Ostrom], in : MIÖG 57 (1949) 427–435, und Heinrich Fichtenau, Zur Überlieferung des ‚Privilegium minus‘ für Österreich, in : ebd. 73 (1965) 1–16. 169 Heinrich Mitteis, Zur staufischen Verfassungsgeschichte, in : ZRG GA 65 (1947) 316–337, hier 318. 170 Heilig, Ostrom (wie Anm. 6) 133–146, Abschnitt „IV. 5. Affectare und seine griechische Vorlage“ sowie die Abschnitte IV. 6 und IV. 7 ; dazu Appelt, Rezension (wie Anm. 168) 432f. 171 MGH DFI (wie Anm. 155) Nr. 151, Absatz 3 : Si autem predictus dux Austrie patruus noster et uxor eius absque liberis decesserint, libertatem habeant eundem ducatum affectandi cuicumque voluerint. Dazu Appelt, Rezension (wie Anm. 168) 432f.; ders., Privilegium minus (wie Anm. 1) 17 ; ders., Die libertas affectandi des Privilegium minus, in : MÖSTA 25 (1979) 135–140, hier 137. 172 Appelt, Einleitung zu MGH DFI (wie Anm. 155) Nr. 151, 258. Insgesamt zur Geschichte der Erforschung des Privilegium minus jetzt Werner Maleczek, Das Privilegium minus. Diplomatische Gesichtspunkte, in : Die Geburt Österreichs. 850 Jahre Privilegium minus, hg. v. Peter Schmid, Heinrich Wanderwitz (Regensburg 2007) 103–141, zu Heilig insbes. 108f.
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Österreichische Historiker Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Österreichische Historiker
Subtitle
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
Volume
2
Author
Karel Hruza
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78764-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
678
Keywords
Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
Category
Biographien
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