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646 Helmut Maurer
methodische Durchführung, die Bewältigung gewaltigen und z. T. ungewohnten Quel-
lenmaterials, die Originalität der Gesichtspunkte und dementsprechend die Vielzahl und
die Bedeutung seiner Ergebnisse anlangt, eine außerordentliche Leistung, die um so hö-
her zu bewerten ist, als auch sie unter schwierigsten Verhältnissen während des Krieges
entstanden ist.“173
Als Heilig 1944 sein gedrucktes Werk in Händen hielt, konnte er von den gegen-
über dessen Ergebnissen anzubringenden Korrekturen noch nichts wissen. Entscheidend
dürfte für ihn gewesen sein, dass er im nationalsozialistischen Deutschland und als Soldat
der Wehrmacht doch noch ein Vorhaben hatte vollenden können, das er bereits 1934/35
im österreichischen Ständestaat begonnen und damals lediglich als Exkurs zu seinem eben
diesen Ständestaat wissenschaftlich fundierenden, wegen des „Anschlusses“ allerdings nie
erschienenen Buch über „Das Werden der österreichischen Idee im Mittelalter“ hatte ver-
öffentlichen wollen174.
Sein Tod ließ all die vielen wissenschaftlichen Vorhaben, denen er sich noch widmen
zu können hoffte, unausgeführt : sie reichten von der Geschichte seines Heimatortes Er-
zingen und der Frühgeschichte der in der badischen Ortenau gelegenen einstigen Abtei
Ettenheimmünster sowie einer Untersuchung zu den „Grenzen zwischen den Diözesen
Konstanz und Straßburg“175 über eine Edition von Texten Heinrichs von Langenstein, ja
über „eine neue große Monographie“ des Gelehrten176 und eine Edition aller Briefe aus
der Werkstatt des „Ackermann-Dichters“, an der er neben seiner Beschäftigung mit dem
Privilegium minus ebenfalls im Sommer 1942 in Berlin arbeitete177, bis hin zu einer „auf
bisher ungedrucktes Material“ gestützten Studie „über den ältesten Adel Österreichs bis
etwa zum Beginn der Habsburgerzeit“178.
Bei dem Versuch, sich nach dem Zusammenbruch der deutschen Front in Oberitalien
zu Freunden nach Venedig durchzuschlagen, fand Heilig in der Nähe von Belluno am
6. Mai 1945 den Tod179. Damit endete ein Leben, das von zahlreichen Brüchen gekenn-
zeichnet war. Es endete das Leben eines Gelehrten, der sich nach dem Krieg in Freiburg
im Breisgau zu habilitieren beabsichtigte180 und der neben seinen überlebenden Alters-
173 Franz Dölger, Byzanz und das Westreich, in : DA 8 (1950) 238–249, hier 241f. und 249.
174 Vgl. oben bei Anm. 96.
175 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 33, und über die in Heiligs Nachlass verwahrten Arbeiten ebd. 184–223
und 2, 28–29 ; Hensle, Heilig (wie Anm. 2) 73–74 ; Maurer, Heilig (wie Anm. 2) 124.
176 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 74 und 2, 28.
177 Ebd. 1 34.
178 Heilig, Ostrom (wie Anm. 6) 188, Anm. 4.
179 Beerdigt wurden seine sterblichen Überreste zunächst in Belluno, danach umgebettet auf den deutschen
Soldatenfriedhof am Podoi-Joch unmittelbar südlich des Sella-Massivs, siehe Balcar, Heilig (wie Anm. 2)
12, und Hensle, Heilig (wie Anm. 2) 74.
180 Balcar, Heilig (wie Anm. 2) 1, 16 Anm. 2.
Österreichische Historiker
Lebensläufe und Karrieren 1900–1945, Volume 2
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Österreichische Historiker
- Subtitle
- Lebensläufe und Karrieren 1900–1945
- Volume
- 2
- Author
- Karel Hruza
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78764-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 678
- Keywords
- Lebensläufe, Werke und gesellschaftliches Wirken österreichischer Historikerinnen und Historiker, Geschichtsforschung
- Category
- Biographien