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155 Freünd seyn. Nun komm ich auf das Capitl was mir meine Seele durchgeschnitten,
und zum rechten Dinten Fleck. Du heissest die blosse Unmöglichkeit eine Nach-
lässigkeit, und Gott weis es ob ich vieleicht deinetwegen \nicht/ mehr leide als du
selbst, und auf mich nicht einmahl gedenke, obwohl mein Zustand der allerele>n@-
deste hier von der Welt ist. Du glaubst \nicht/ was ein Mensch, von dem man hier
weis, daß er kein Geld \habe/, für eine verrachte Creatur seye, und wie ich mich
schäme vor den neüangekommenen. Du wirst aus meinen vorigen vernohmen ha-
ben, wie die Sachen stehen, wisse aber /noch mehr,\ >S. 3@ damit du nicht etwa
glaubst, man könne durch gute Worte, Biten, Persuasions und Gründe bey Wuche-
rern was ausricht>en@, dann dieses heisset dem Deüffel das Christenthum predi-
gen so will ich dir nur 2 Casus erzehl>en@ der eine ist mir passirt, und de>n@ an-
der>en@ kanst du von der Pompeati erfahr>en@, welche ich bite expressé zu fragen.
Wie Hieraus wirst du den Caracter vom Hausherrn abgemalter seh>en@. Wie er
wegen der Protection so allarmirt war, und expressé Caution, od>er@ NB: alle uns-
re Sach>en@ in seinen Klauen haben wolte, mir auch ehender mein Billiet nicht
ausfolgen liesse, so gedachte ich wann er alle unsre Pfänder auslösen will, so
würde das übersteigende ihm eine genugsame Sicherheit geb>en@, weil die Geld-
ausleiher kaum einen Vierteltheil darauf geben. Er war damit zu frieden, und mor-
gens machte er eine Ausrede, daß er nicht Zeit hätte, sondern schikte die Mistress
Green mit mir, welche wirklich alles ausgelöst, das in intere>ss@e bezahlt, mir auch
daran einen avantage gemacht. Wie sie die Sachen in Händen gehabt, kamm er
Nachts mit einem Advocat>en@ der ihm gerath>en@, er solle sich nicht begnügen
lassen /: seinem Vorgeb>en@ nach ma era punto studiato :/ und wolte alle meine
Sach>en@ sehen, visitir>en@, und zu sich nehmen, dann das Geld gehöre nicht sein
sondern der Mistress Green. Du kanst dir einbild>en@, daß mich der Schlag fast
gerühret, und nach greülich>em@ Àuch>en@ und zanken, gab ich ohne ihm das übri-
ge s>ehen@ zu lassen so viel heraus, daß Reginelli und Mercie /: der meist wieder
mich war, auch sich nicht mehr seh>en@ lä>sst :/@ hat müssen erkenn>en@, daß es
zulänglich vor 33 lb seye, diese Sach>en@ hat er zu sich genommen, und \kamm/
mir es fast vor >als@ wenn man eine Erbschaft theilete. Ich begehrte aber auch
Caution für die Mistress Green, weil er sagte, sie sey>e@ seine Magd, er wolle da-
her nicht gut stehen vor sie. Nichts desto weniger nahm ich die andern zum Ze-
üg>en@ und wir machten eine Verzeichniß. Du sollst aber gesehen haben, wie die
Canailie alle ausgeschimpft und im Haus gelermt hat, daß wir geglaubt, sie seye
eine Furie aus der Hölle, den andern Dag lude er mich zum essen, und sagte sie
wolle ihm Caution stellen, und er mir. Sie ist aber nicht zum Vorschein gekomm>en@
und ich muß mich begnügen lassen mit noch andern Zeügen daß er mir gesagt, er
stehe vor alles gut. Wann sie so rauff>en@ und schlag>en@, da ist mir wohl dabey.
Jezt will sie in Ernst von ihm in 14 Dägen weggehen. Acht Dage vor der Pompeati
abreise /: daß hat mir die Lambert im grösten Vertrauen erzehlt :/ schickte die
Ambassadrice ihr eine schwere Geschmuck Truhen, wie man sie in Wienn, mit
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur