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222 Edition der Briefe
Brief Nr. 52
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Hamburg,
14. Oktober 1748
A Madame
Madame Marianne Pirker pres>entement@ à Hambourg.
No 15 No 15 Vom 14t>en@ >octo@bris A>nno@ 1748
London den 14t>en@ >octo@bris 1748
Herzallerliebste Marrianna >sic@
Mein armer schwacher Kopf hat gestern das erstemahl von seinen greülichen
Schmerzen etwas ruhe gehabt. Samstags nachdem ich dir dazu zuvor geschrieben,
habe ich eine Purgation genohmen welche trefÀich>en@ effect gethan, Sonndags
darauf f hab ich die China chin>chona@ 3 mahl, und Mondags 1 mahl genohmen.
Nun be¿nde ich mich durch die unendliche Gnade Gottes, der mich für dieses
mahl bey so mißlichen Umständen nicht aus dieser Welt aus \uner/gründlichen
Barmherzigkeit nicht abfodern wollen, zwar ohne Fieber, aber so entkräftet, math
und blöd, daß man es aus dieser Schrift genugsa>m@ erseh>en@ kann daß ich mich
nicht schämen muß. Nun warte ich mit gröster Sehnsucht auf die Nachricht von
deiner ersten Opera. Samstags den 9t>en@ hui>us@ habe ich dein werthestes mit der
Secunda erhalten. Heüte hat sie Monsieur Kellerhof in die Stadt getragen, /: wann
ich meinen Nahmen nicht adossirt, so hilft er keinen Mensch>en@ nichts, also
zweiÀe an nichts auch nicht an der Verschwiegenheit :/ Und das hab ich gethan um
Zeit zu gewinnen, der Allergütigste Gott wird mir auch in so weit beystehen, und
die Kräften geben, alles gut und bald expediren zu können, du wirst auch meine
liebe Marianna bald seh>en@, daß du mir unrecht thust, als zahlte ich nicht gerne.
Du wirst aber x> aus den Conto sehen, was zu meinen disposition bleibt. Allein
Conti sind noch nicht für mein>en@ /Kopf.\ >S. 2@ Donnerstags hoffe ich durch
göttl>ichen@ Beystand das erstemahl aus zu geh>en@. Ich armer Narr, da ich mir
etwas zu guts thun solte, habe ichs nicht, und auch niemand, der mirs zu richtet.
Ich mache meinen Antrag demnach, daß \bis/ zur Abreise der Hamburger Schiffe
alles solte gerichtet und geschlichtet werd>en@. Die Art des Discourses, so du
meinetwegen machst ist durch meine unglückliche Krankeit ohnedem fast ent-
schieden. Ich armer Tropf fange jezt kaum an wieder ein wenig zu leb>en@, kann
also auf nichts wenigers als auf die Art, wo, oder wie mirs besser gefällt? ge-
denken. Nur dieses bite ich mir aus: Vergies meiner nicht. Unterdessen sollen
alle wenige Kräften zu der Expedition angewendet mit gröster Treü und liebe,
hernach wollen wir von diesen Scheleten sprech>en@. Unterdessen wolle dich der
Himmel vor die Lieb und Treue, so du für mich bezeügest 1000fältig belohnen. Ich
danke 1000mahl für die Opern Neüigkeit>en@. Was \hab/ ich nicht für die Träume,
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur