Page - 236 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
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236 Edition der Briefe
wirst wohl noch blöd seyn >e@rhize dich nicht, sondern fahre in die statt. Habe mich
lieb ich küße dich tausendmal Gott seye dei>n@ Beschüzer adieu deine getreue
Marianna biß in todt.
P S: forder d>em@ jozzi keine KnöpÀ gelt ab, dann er macht mir so desweg>en@ ein
regal und ist es noch allzeit a tempo mit ihm abzurechn>en@.
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten.
THEMENKOMMENTAR:
Marianne beklagt sich bei ihrem Mann über ihre Situation als allein reisende
Künstlerin, als die sie in der Öffentlichkeit, etwa bei Einladungen zu Tisch oder
Wirtshausbesuchen, wohl allerhand Widrigkeiten in Kauf nehmen musste. Zu-
dem lässt sie uns kurz auch in ihren ehelichen Alltag Einblick nehmen, wenn sie
ihrem Mann „schreyent>en@ humeur“ („Schreilaune“) vorwirft und ihn bittet, sich
vor allem in Gegenwart anderer zu mäßigen, da sein Gezanke auch für sie nach-
teilig sei, insbesondere weil das auch schon andere Mitglieder der Truppe früher
einmal mitbekommen haben. Zugleich hofft sie, dass er sich diesbezüglich ge-
bessert habe.
Das Marianne unterbreitete Angebot aus Wien, 400 Dukaten pro Jahr, weicht
erheblich von den Gagen ab, die etwa Giuseppe Jozzi für eine Saison, in der
Regel also die Zeit von Stephani bis zum Ende des Karnevals, erhalten hat (600
Dukaten /Ongari in London, s. dazu Brief vom 11. Oktober 1748, 48) oder für ein
neues Engagement fordert (ebda.). Denkbar ist, dass das Angebot auf die Spar-
politik zurückgeht, die durch die hohen militärischen Ausgaben des Österreichi-
schen Erbfolgekriegs notwendig war.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
> dein wehrtes vom 8:t>en@:@ Brief vom 7. Oktober 1748 (43).
> alterirt:@ Hier: „erschreckt“, „aufgeregt“.
> wann ich allein außspeise so mache ich gar keine gute ¿gur:@ Marianne
musste sich auswärts in einem Wirtshaus verpÀegen.
> tormentire doch die myladi nicht mehr noch de>n@ prinz>en@:@ Franz soll
das Thronfolgerpaar nicht weiter mit seinen Anliegen belästigen.
> wann nur die lieb>en@ Eltern nicht leyd>en@:@ Gemeint sind Mariannes
Eltern.
> den wechsel zu übermach>en@:@ Hier im Sinne von übertragen, übergeben.
> 60: lb:@ 60 Pfund (Währungen ).
> der mylord:@ Charles Sackville, Earl of Middlesex , Opernimpresario.
> allein sie zu:@ sieh zu (sorge dafür, dass).
> alle Kreuzer sehen:@ Kreuzer (Währungen ).
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur