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296 Edition der Briefe
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70 sollen die Kinder ja an keine Magenkissen gewöhnen, ich weiß derselben Schäd-
lichkeit aus eigener Erfahrung. Ingleichen must du schreiben, daß du \>X@/ von
Kunsterfahrnen, den du die >S. 2@ Zeichnungen gewiesen, so viel gehöret, daß
es sehr viel von den Kindern, und daß sie vieles versprechen, auch schöne sind,
allein sie recomandiren das Zeichnen, id e>st@ ohne Farben, und theilweise, nem-
lich Köpfe, Hände, Füsse pp mit welchen man die Jugend nicht mehr so lang auf-
hält, als wie vor Zeit>en@, dessentweg>en@, es auch nicht mehr so grosse Künstler
giebt. Wer gut zeichnen kan, lernet alsdenn leicht mahlen. Es ist in der That auch
so. Ich glaube auch, daß es Zeit, daß du den Eltern unsre separation mit guter
Art beybringest, denn sie möchten es inne werd>en@, und auf 1000 Sorgen und
>A@rgwohn verfallen. Ich habe dessentwegen auch einen Comissionair von
hier ¿ngiret, und durch fremde Hand schreib>en@ lassen bey Übermachung des
Wechßels, dessentwegen berichte ich dirs, damit es dir nicht fremd vorkomme,
wenn sie dir schreiben, er ist wohl bestellet nach Frankfurt, und ich habe immer
in meinen vorigen vergessen dir es zu bericht>en@, aber woher ich das Geld be-
kommen? über dieses miracl wirst du dich verwundern, wann es Zeit seyn wird
dirs zu entdeck>en@, dann es aus der Rechnung wirst du wohl ersehen haben, daß
deine rimessa dazu nicht erkleket. Die Brieffe habe ich nicht Gelegenheit gehabt
zu übergeben, es wird aber morgen geschehen. Die Musiqs zu der M>iss@ Ashe
ihrer Arien habe ich freilich, und habe nur die Wörter abgehert, aber die Musiqs
so mir abgehet, ist deine Aria, die du auf die Wörter Hat mich der H>X@ ganz ver-
gessen pp gemacht, die hab ich in das Buch nicht einschreib>en@ können du hast
meinen Brief nicht recht gelesen. Wegen des Portraits studire ich auf 1000 Art>en@
wie es zu mach>en@, bevoraus in Coppenh>agen@ wird es schwer lassen. Ich wolte
dem Mahler die Lust gerne gönnen wenn ich es nur bekommen könte ohne daß
jemand was erführe, die Nase wolte ich noch passir>en@ lassen, aber sonst was
wäre mir ungelegen, dort und in die Nachbarschaft. Wann ich auf das Billet mit
Waar>en@ handeln woll>en@, so hätte ich es nicht auf Verlust, sondern Gewinst
angetrag>en@, und ich war bey Empfang des Briefes sehr weit gekommen, allein
ich habe alles gleich abgebrochen, und dein Project, daß ich hier bleiben solle ist
mir in soweit schon recht, wann ich nur die LebensMittl kan aufbringen. Wann
ich nur anfangs ein wenig ohne deine>n@ Schad>en@, od>er@ wenn dir Gott ein
unverhoftes Glück zuschikte, könte secundiret werd>en@, mit der Zeit will ich
mich schon durchhauen, daß es dich nichts kosten solle. Aber so lang ohne Deiner
zu seyn? Wann du wilst, so bedenke dich mit Mingotti, in was sort>en@ Waar>en@
in Coppenh>agen@ was zu gewinnen wäre, aber schicket mir paar Geld daß ich
sie aus der ersten Hand und von wem ich will mit Beyhilfe erfahrner Freünde
kauffen könne alsdenn ist was zu machen. Wenigstens müst ihr mir das Geld
zum Comissionen schicken, dann jezt kanst du es mit Fug begehren, wann ich
nicht nachkomme, dann warum sollen wir das Geld ausleg>en@? Specie Gluck
und Hager /: a propos De daß ist wohl eine >S. 3@ Wienerische affectation \ im
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur