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der Briefe
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135 Es ist alles überhaupt nichts zu, sowohl die Gedank>en@ als die Ausarbeitung>en@.
Sylb>en@ zu viel pp und dergleich>en@ grosse Bestialitet>en@ haben wir dennoch
ausgemustert. Für ein Gesang ist es gut genug. Wenn es dort so incontrirt wie
hier ist es schon gut. Der Graf Hasslang und Miss Ashe werd>en@ bald offentlich
declarirt seyn als Amanten. Vom hiesigen Impressario Crossa sagt man, daß er be-
reits schon über bey 2000 lb St>e@rl>ing@ schuldig seye. Vom Jozzi habe ich schon
3 Woch>en@ keinen Brief, ich habe ihm nach Paris vor 14 Däg>en@ geschrieb>en@.
Sein lezter war von Brüssel. Wenn mich Gott nur einmahl von der Lambert
erlösete, sie ist gefallen, und liegt seit 4 Däge im Bet morg>en@ kommt sie aber
wieder. Ich förchte nur, ich werde sie wohl gar begrab>en@ müssen lassen, od>er@
wenigstens kranker erhalt>en@. Nicolai hat mir auch einen Brief aber sehr höÀich
zugeschickt wegen den 6 Guinées. Der Rath von der Juel, ist von Herrn Gesandten
hier Herrn Baron von Solendal, daß sie dich aufführen solle, und könne. Adieu
liebe mich wie ich dich, ich küsse dich zu 1000 mahlen, und bin dein bis in Tod
getreüer Pirker>.@
NB ich habe im Gedank>en@ zu weit hinaus geschrieb>en@, es heisset untern
Pitschaft,
O cara, e amata
Servire, e per
Sento nel core
Mia vita, mio cor Du bist meine Göttin, ich ehrތ dich davor. x>
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Franz berät seine Frau hinsichtlich ihres weiteren Vorgehens in Kopenhagen. Da-
bei spielt sowohl ihr Status als allein reisende Frau eine Rolle als auch die Frage,
welche Taktik am ef¿zientesten sei: „Durch die Dames zu gehen ist der beste und
reputirlichste Weg allerorten“ lautet sein Fazit. Sein Bericht über die Begebenhei-
ten um König Georg II. und das Königshaus spiegelt anschaulich den Umstand
wider, dass der Weltiner auf der Insel als Fremdkörper wahrgenommen wurde, zu-
mal er durch häu¿ge Besuche in seiner norddeutschen Heimat sein Fremdsein auch
deutlich zu erkennen gab. Aufschlussreich ist Franz Pirkers Bemerkung zum Er-
folg der Opera buffa in London: Als weniger repräsentatives Genre stieß sie beim
Adel nur bedingt auf Gegenliebe, konnte aber das Bürgertum für sich gewinnen.
Die von Franz beschriebene Situation eines Hauskonzerts war für die gehobenen
Kreise der Diplomaten und Hoffunktionäre nicht ungewöhnlich: Um sich selbst
musikalisch zu produzieren, wurden zur Unterstützung professionelle Musiker
hinzugebeten. Mit dem überarbeiteten Arientext gibt Franz schließlich auch noch
Einblick in seine Tätigkeit als Bearbeiter und Arrangeur, der den Text, der offen-
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur