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70 dennoch zimlich, wobey aber die Protection der Frasi vieles contribuiret, welche
in der Gallerie, und unter den laquais ihr faction und pouvoir hören läßt. Die
Dänze sind viel besser, denn die vorigen, und der Jung drehet sich in einen Hay
Huy so geschind >sic@ um, daß ich solches nie so geseh>en@, und mir a fatto
neü ist. Die Rolan ist gekleidet mit ein>em@ Salzb>urger@ Haubel wie die Violette,
sie macht zwar mehrere Pas, aber sie müste ihre grace auch hab>en@ sie hat
aber eine gewisse spiznassige rabiate mine. Das kleine Mädl ist, und danzt recht
herzig und artig gefällt auch mit Recht zimlich. Nun komme ich auf deine>n@
Brief. Zuvor aber muß ich dir sag>en@, daß du diese Post 2 Brieffe auf 1 mahl
bekommen wirst, indem mir ein hundsfüt>ischer@ Postmann mir von andern Haus
eine confusion gemacht, und den Brief an deine Eltern p>er@ 2 Sch>illing@ bezahlt,
und für diesen kein Geld gehabt, daß ich obligirt war + des andern Dags + selbst
in das G>e@n>e@r>a@l Post Amt \in die Stadt/ zu geh>en@. Du hättest die Aria, an
der ich so eilfertig und die ganze Nacht geschrieb>en@ um etliche Dage ehender
bekommen, und mir war es nur um den gutt>en@ Wind zu thun, der vorigen Post-
dag war. Der Canaile war betrunken. Mit den Vogd bin ich auch disgoustirt des
Coffres halber, wiewohl er nicht davor kan. Porta muß auch mit seinen Bestel-
lung>en@ nachlässig seyn und wenn das Wetter wie hier so kan auf der See keine
Hindernis seyn, denn wir hab>en@ nur noch immer alten Weiber Sommer. Ich
bedaure den Klug von Herzen. Er solle selbst den Wytch schreib>en@. Was Deüfel
schreibst du von Arsaces, du hast mich erschrekt, dann ich glaube, du hast dich
etwa verschrieb>en@ und Artasersse schreiben wollen, so wäre die Aria umsonst,
die ich geschicket. Abacco und Gusmann lassen sich wieder empfehlen. Die Sän-
gerinen sind nicht ausser Dienst>en@, aber der Churfürst ist wieder sehr gefärlich
krank an seinen alt>en@ Zustand. Sie halt>en@ es ganz geheim. a propos mit der
Opern relation mache mir hier keine Feinde mit etwa durch eüere Buf¿, denn
ich brauche sie nicht. Das gute kanst du alles erzehl>en@, aber das schlime nicht.
Wegen den Jozzi ist nichts in allen, ausser daß ich dich kenne, und weiß daß du
schreibest was dir in die Feder kommt, und wie du redest, dessentweg>en@ ist es
mir im Sinn gekommen dich zu erinner>n@ und wegen der Zeit verstehe ich, wenn
wir wieder zusammen kommen, daß ich dir die Ursachen sagen will, mache dir
also keine unnöthige grill>en@ denn ich wolte das nicht der Feder anvertrauen, was
ich dir mündlich sprechen will. Und verdriest mich nicht wenig daß du so kalte
Gedanken hast vom Briefauffangen. Wenn? wo? >S. 3@ warum? Er ist in Holland,
du in Hamb>urg@>,@ ich in Engeland. Du must in einen recht zänkischen Zeich>en@
gewest seyn da du diesen Brief geschrieben, denn wegen den Calender giebst du
mir etwas zu versteh>en@, daß ich nicht wintschte, daß du es so gedacht hättest, wie
ich es etwa auslegen könte, daß du schreibest ich kenne deine ¿ness>en@. Ich habe
ganz natürlich darnach gesucht um zu seh>en@, wenn die Opern aufgehört, und
konte sie unmöglich ¿nd>en@, denn ich habe kurz zuvor alle Schrift>en@ sortiret,
und den Calender selbst in ein unreihts paquet verlegt, und wieder gefund>en@,
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur