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388 Edition der Briefe
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150 willen gebet>en@ um mein>en@ Rath. Sie haben ihr alle Abend 5 Guiné, und ein
bene¿ce das erste und franco von a>llen@ spesen versproch>en@. Ich habe gesagt
sie solle es thun, aber ihr grausam aufgeboth>en@, daß sie mich nicht ein mahl
kenn>en@ solle von den Leüt>en@. Ich werde von Milord Erlaubnis begehr>en@,
alsdenn wenn er sie mir giebt, so spiele ich. Vieleicht werde ich 1mo de secondi.
Heüte war ich bey Conte Saint Germain, der mir 1000 schönes von mir und dir
gesagt, auch sein Compliment aufgegeben. Er hat mich über den grünen Klee
in allem gelobet, und mich zu einer Musiqs bey einer Dame eingelad>en@. Du
würdest dich jezt über mein Violin spielen verwundern. Damit du aber ein wenig
mein LebensArt wissest, worzu du mir des Hauses weg>en@ Anlas gegeb>en@,
so wisse, daß ich mir am heil>igen@ Abend das Leben zu nemmen nahe daran
war, ohne einen sous, ohne Uhr, ohne Degen, die ich versezen müssen, um der
Lambert, und Wäscherin, und andre kleine Schuld>en@ vor den Feyerdäg>en@
zu bezahl>en@ zu können, und der arme Pirker war an dem am Heil>igen@ Dag
kein>en@ Bissen zu essen zu haben, wenn mich die Giaccomazzi nicht ein-
gelad>en@ hätte. Ich bin bey 8 Personen gewest um einen Guineé, meinen Barbierer
\bezahl>en@/, ein>en@ Haarbeütl kauffen zu kön>en@, bis um 7 Uhr Abends von
9 Uhr fruhe bin ich in grösten Regen herum gelauff>en@, hernach wieder bey 4
weg>en@ ein>en@ Deg>en@, den mir endlich ein mir bekanter Schwerdfeger ge-
lehnet. Um 7 Uhr war mein Mittag- und Nachtmahl auf Credit. Gestern hat mir
Herr Werner endlich einen Guinée gelehnet. Der Canalieuse Milord, dem ich auf
Vaneschi einrath>en@ ein>en@ Brief wieder geschrieb>en@, hat mir nicht ein mahl
das interesse gezahlet, ob mirs schon versproch>en@, worauf ich mich auch ver-
lassen bis auf den lezt>en@. Ich bin in 3 Woch>en@ über 15 mahl destweg>en@
beym Vaneschi gewest. auf deine Hilf und Brief hab ich auch gehoffet, hernach
geschiehet mir der Streich mit dein>em@ Brief. Ich lasse jeden Christ>en@ + judi-
ciren ob ich auf huren denken könne, wenn ich auch wolte, da ich nicht einmahl
zu essen habe, du wirst seh>en@ aus mein>en@ Rechnung>en@ was ich bezahlt und
ausgelegt. Ich werde auszieh>en@ so bald ich Geld habe, denn sonst glaub>en@ die
Leüte ich gehe durch, wenn ich so oft quartier verändre, wie mirs + + in diesem
Haus gescheh>en@, da alle gelauffen kommen, und mich pressiret, in specie die
Lambert, und Piacenza, und mehr andre, ich wäre auch gewis arretirt word>en@,
wenn ich nicht Rath geschaft hätte wie >X@ vor den Feyerdäg>en@. Der Milord
>hatte ein@ quartal vom Prinz>en@ nicht bekommen, auf welches er mich verweiset.
Mir liegt nichts daran, ich werde >X@ Mittelst dieses Hauses >von der@ Lambert
erlöset, id e>st@ das ihr Besoldung nicht mehr läuft, und nichts zu essen schaffen
darf w>X@ >X@rers >X@ Pirker, der dich küsset. +
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigungen durch Siegelöffnung, eingerissene Ränder, mit Tintenfraß
und an den Faltkanten auf S. 3 / 4.
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur