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90 das schlimst ist der Zeit Verlust den ich durch das Chevalier dތindustrie machen,
begehen muß :/ entweder von dir, oder von Milord. Vaneschi hat mich nach den
Ferien einen termin gegeben, aber ich förchte, er haltet ihn, wie vor selben. Ich
weiß mir sonst nicht mehr zu helffen. Ich habe ja viel bezahlt, und ausgelegt, und
bishero gelebt. Hernach erwarte ich den Jozzi, der mir auf einmahl einen lamen-
tablen Brief geschrieben, daß die Prinz>en@ von Wirttemb>erg@ weg geh>en@, und
er kein Geld mehr habe, er wolle den 10t>en@ huius, das ist heüt, dort auf>br@echen,
und adrittura bey mir absteig>en@, er wolle sich so gut behelfen, als >X@men indes-
sen ist es unmöglich + es ist nur unterdessen, damit er mich bey seiner Ankunft
zu ¿nden wisse. + und ich habe schon um anders Quartier umgesehen. Ich habe
auch ohne ihn zu nennen, beym Campioni es dahin gebracht, daß die Galli nicht
die Scriptur als 1mo uomo bekomme, ist es ihm anständig, und wird was daraus,
so kommt er dazu, will er nicht, so weiß Campioni kein Wort, denn ich habe
Gesagt der Papa hätte mir Comission gegeb>en@ für einen Castrat>en@, den er mir
nicht nennet, ein quartier zu bestellet >sic@, der von dort aus künftige Woche hier
eintreffen solle. Adieu lebe wohl, und liebe mich wie dein bis in Tod getreüer
Pirker pp>.@
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung und an den Faltkanten auf S. 3/4.
THEMENKOMMENTAR:
Franz rechnete mit möglichen Verzögerungen auf dem Postweg und schickte sein
Gratulationsschreiben zu Mariannes Geburtstag mit 17 Tagen Vorlauf ab.
Hauptthema des Briefs sind Mariannes Bedenken wegen der sittlich zweifel-
haften Umgebung des neuen Quartiers, die Franz aber mit dem Hinweis auf eine
geplante städtebauliche Maßnahme des Kronprinzen zu zerstreuen sucht.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
> daß ich so lang ich in London bin, niemahls weniger von dieser Waar, wie
du schreibest, in meiner Nachbahrschaft zu sehen:@ Im Brief vom 17. Dezember
1748 (87) äußert sich Marianne wegen der dort verbreiteten Prostitution über die
Umgebung der neuen Wohnung kritisch.
> wie die Oelberger:@ Hier in Bezug auf die schlafenden Jünger am Ölberg:
langsame, faule, unaufmerksame Menschen (Grimm, Deutsches Wörterbuch, s. v.
Ölberger).
> machet keine reputation, bevoraus mir, der wegen Durchgehen immer
beargwohnet wird:@ Franz hatte Schulden und seine Gläubiger argwöhnten, er
könne sich heimlich auf den Kontinent absetzen.
> von Borosini aus:@ Francesco Borosini hatte vorher in der Unterkunft
gewohnt (Brief vom 3. Dezember 1748, 80).
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur