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410 Edition der Briefe
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100 in Italien schicken müssen, vor Uns aber hat er kein Geld gehabt. Dem Prinzen hat
ers ins Gesicht geläugnet, daß er was damit zu thun, und hernach muste ers öffent-
lich bestehen. Nun bin ich versichert word>en@, daß der Milord 3400 lb bekommen
habe. Etwas muß an der Sache seyn, denn Vaneschi, und Lackmann haben es nicht
geläugnet, aber auch nicht bestanden. beede geben mir gute Hofnung, und der erste
sagte mir, daß der Milord heüte wegen meiner ja gesagt und es verheissen habe,
er hätte auch den Morison zu hohlen befehl gegeben, welches er glaubt daß es
destwegen geschehen seye. Gott gebe es, und ich förchte es wird dieses, und dein
14 dägiger Brief zu spät seyn, denn die Hausfrau hat mich avisirt, und expressè
mich aufsuch>en@ lass>en@, daß Mittags 3 Kerls, die sich sie für Belly gehalten, um
mich gefragt, und sich um mein Aus und heimgehen erkundiget, denen sie aber
keine richtige Antwort gegeben. Nun weis ich noch nicht von wem dieses her-
kommen müsse. Mein Argwohn ist auf die Lambert, Wäscherin, Kirchmann, od>er@
daß sich etliche zusammen geschlag>en@, Piacenza ist vieleicht auch mit ihm Spiel,
aus rage weil er mich nicht mehr ausspioniren kan. Die Milady hat mir auch noch
keine Antwort beym Prinz>en@ zu spiel>en@ gegeben. Hat die Beccaroni vor der
Königin, id e>st@ bey Hofe gesung>en@? wie sie hieher geschrieb>en@, mà Stille um
Gottes will>en@, ich weis es in der gröst>en@ Geheim, mache mir und dir kein übles
Spiel, wenn \du/ es sagen würdest. Vieleicht verstehet sie, daß sie in der Opera für
den Königl>ichen@ Persohnen gesung>en@ habe. Es war hier im Zeitung>en@, daß im
Geburtsdag die Operisti bey Hofe zur taffel musiqs gesungen hätte>n@, es war aber
auch, daß am selben Dag die erste Dänische Comœdi im neüen Theater gewesen
seye. Emploire wenn, und wo du kanst die Arien, Son le Donne pp Rasserena von
Gluck p vergesse auch nicht auf die Schottische Thuns, dergleich>en@ Dinge ge-
fallen aller ort>en@. Deine deütsche traduction wird dir ja Ehre mach>en@, und ich
hoffe es werde gedruckt werden. Ich habe es hier allenthalb>en@ ausgebreitet, und
es freüet mich sehr. Wir wissen hier nichts von keinem Winter, wohl aber regnet es
beständig, und die Bäume schlagen wirklich aus. Es wird alles hin seyn bey einer
Kälte. Adieu liebe mich wie ich dich, lebe wohl, besser denn ich, als der ich dich
küssend bin dein bis in Tod getreüer Pirker>.@
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2839, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Gesänge aus Komödien, die der Unterhaltung eines breiteren Publikums dienten,
waren wegen ihres satirischen oder erotisch-schlüpfrigen Inhalts nicht überall
wohlgelitten. Der Hinweis, das von Marianne gewünschte Lied sei bereits auf
einer öffentlichen Bühne gesungen worden und damit unbedenklich, mag auch
darauf hindeuten, dass in Kopenhagen bis zur Thronbesteigung Fredericks V. von
Dänemark und Norwegen ein sehr steifes, sittenstrenges Klima herrschte.
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur