Page - 483 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
Image of the Page - 483 -
Text of the Page - 483 -
483Edition
der Briefe
35
40
45
50
55
60
65
70 Preßburg aus, er würde sich gewiß von dort aus seiner erinneren, und ihm vor
allen andern den Vorzug gönnen. Er müste sich alsdenn eine Recomendation von
Dreßden an Prinzen selbst, od>er@ sonst jemand Vornehmen am Hof geben lassen.
Jozzi hat den General Grune \NB: dieser ist actualit>er@ schon dort./ /: bey dem
der Capitain Weiß sein Adjudant war :/ welcher ihn unentlich extincirt, dieser ist
des Prinzen Carls Hof Marschall ernennet, und durch ihn könte er alles aus-
richt>en@, nebst andern conaissancen so hat dort>en@. Sie hab>en@ einen greülich>en@
Hunger nach Opern, und sind rasend darauf erpicht, allein Dänze müste er
hab>en@, davon ist noch Zeit zu red>en@. Frankreich ist nahe, x> \zwar/ Mingotti
peißt nicht gerne an Dänze. Wenn ich die Pantomimi hin gienge, es thut nichts,
sie könten das Theater miteinander nehm>en@, und 2 od>er@ 3 mahl die Woche
Opern, die übrig>en@ Pantomimi halt>en@, denn der Af¿tto des Theaters wird theüer
seyn. Wenn also der Mingotti so bald es möglich abkommen könte, so wolte>n@
wir in Holand im Haag zusammen kommen, ich gienge dir entgegen um dich
abzuhollen>,@ Jozzi machte indessen auch in Holland für ihm \id e>st@ Mingotti/
was er könte, und gieg gehet es dort>en@ gut, è bene, od>er@ \er kan/ von dort aus
den Jozzi nacher Brüssel schick>en@, wenn er in Holand seinen Conto nicht ¿ndet,
od>er@ selbst mit ihm hinreisen. Jozzi ist ein Galantuomo Mingotti würde die Reise
Unkösten sich nicht gereüen lassen dürffen, es ist auch eine sehr kürze Reise, und
Jozzi würde allezeit in Brüssel gefallen, sie mögen sagen von ihm was sie wollen,
denn sein sing>en@ hat ihnen unendlich gefallen, das weis ich von andern, und
dieses ist genug, wenn er schon kein guter Actor. Wegen Reginelli hab>en@ wir
dort auch schon vorgebauet, und erwart>en@ alle Postdäge Antwort auf >S. 3@ die
Brieffe so Jozzi nach Brüssel geschrieben. Du kanst jezt keklich mit dem Mingotti
davon sprech>en@ und den Ort benennen, du must ihm aber zuvor den Jozzi
recht einreimen, und sage nur, daß ich so grausam darauf antreibe, du kanst ihm
auch sag>en@, daß es der armen Aloysia wegen meist geschehe, jedoch ohne des
Mingotti pregiudizio, vor welches ich garantire, daß ihm Jozzi keinen Schaden
bringen wird. Er solle sich auf mich verlassen. Ich förchte nur es hat sonst ein
nisi, daß sich Mingotti so sehr vorm Jozzi spreizt. Er wird durch ihn sowohl in
Holand als Brüssel in rechtschaffene Conaissanzen kommen, die er durch sich
selbst nimmermehr machen würde. Geld zur Reise ist natürlich, daß er ihm in
diesen Fall schicken müste. Jezt komme ich auf Copenhag>en@. Könt ihr den
die Hunde id e>st@ tarvis und Scalabrini nicht dethronisir>en@? Lezterer hat Jozzi
noch nicht geantwortet, und wundert Uns, da der du doch schon auf die Brieffe
geantwortet, die mit selben Postdag abgelauff>en@, da er an ihn geschrieben.
Ich schliesse dir hier einen Brief ein an Scalabrini um ein>en@ Schil>ling@ zu er-
sparen, schicke ihn dem Scalabrini zu durch unbekante Hand, als wenn du um die
ganze Sache nichts wüstest, sondern, als wenn er von der Post kämme. Apropos
auf das vorige. Tarvis ist ja ein Atheist, und sagt daß, Moises und >Chri@stus
die grösten Betrüger von der Welt waren, wenn sie dieses bey Hof wüst>en@,
back to the
book Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2"
Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur