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110 wie ich schon so oft geschrieb[en] so hätte es keinen Anstand gehabt, und wie ich
geneldet [sic], kan ich den Milord, da er sich so gut mit mir bezeiget nicht mehr
od[er] strenger antreib[en], damit ich nicht alles wied[er] auf einmahl verderbe.
Zudem ist es mit Wind und Wetter so ungewiß nacher Hamb[urg] wie ich schon
öfter geschrieb[en]. Nun antworte mir alsobald ob die schwarzgewirfelte seidene
Strimpfe und das Pitschaft von Carniol für den Mingotti od[er] nach Dennemark
gehören, und was ich hiemit zu thun? Der Irrl[änder] Stoff[en] wegen ist dein Zeüg
vorhand[en], darauf kannst du dich verlassen, daß du ihn bekommen sollest, allein
was den blauen, od[er] lichtviolet[en] anbetrift, ist dieses eine Farbe so wed[er]
in unsrer berühmt[en], noch in einer noch berühmtern in der Stadt, welche die
Niederlaag aller dieser Zeügen nicht anzutreffen, sondern es läuft alles auf
bleyfarb hinaus, also daß wir damit gewiß Schande aufheben würd[en]. Rosenfarb
hab[en] sie zimlich schön, aber ich förchte, daß sie bald abschiessen. Der ander[en]
weiß und blau gestreift[en], der solle recht schön und gewiß gebracht od[er]
geschickt werd[en], sobald das liebe peccunia den Zweifel aufheb[en] wird.
Bishero hiesse es point dތargent, point pp Was ist wegen den Papiern[en] Spaliern
zu Zimer zu thun? Bänder und alles übrige werde ich nach Vermögen verrichten.
Ich hoffe du wirst aus [S. 3] den lezt übersendt[en] Conto genugsam erseh[en]
haben, zu was, und wie ich das Geld angewendet, und wenn du erst meine
dägliche und nothwendige Ausgaben sehen wirst, so hoffe ich, daß du ganz wohl
mit mir zufrieden seyn wirst: du wirst sehen, warum ich bemüssiget war zu
versezen, od[er] Geld aufzunehmen, wenn ich anderst nicht verhungern, od[er]
in arest verderb[en] wollen. Also hoffe ich, du wirst mir der Comissionen wegen
keine Schuld geben. Daß ich aber in der Schuld[en] Lista etliche unbenant ge-
lassen, ist darum, weil ich mir nicht eher getrauet die Auszügl geben zu lasen, bis
ich sie zahl[en] kan. Man muß den D[reck] nicht rühr[en], damit er nicht stinke.
Aus deinen lezten Brief habe ich gemerket, daß du nicht bedenkest, wie es auch
vormahls öfters gescheh[en], daß Frag und Antwort bey so weiter Entlegenheit
nicht in Brieff[en] so genau aufeinand[er] gehen können. Bis ich ein od[er] anders
von dir erfahren, so habe ich indessen ganz was anders an dich geschrieb[en]
ex[empli] g[ratia] der \a/ vicenda recitir[en] weg[en], weil wir dazumahl noch
nicht gewiß wissen können, daß du absolutè nicht bleibest. Nun ist alles ohnedem
aus. Deine Reise lieget mir sehr auf den Herz[en]. Ich habe dir neülich weg[en]
Cassel geschrieb[en] daß sich der Churfürst \von Cöln/ dort aufhalte, nun berichte
ich dir auch, daß der bayreüt[er] Hof sich jezt in Stutgart be¿nde zu deiner Regl.
Ich weiß nicht was ich sagen solle, ob es gut, od[er] schlim für dich seye?
Jozzi hat unterdessen von Paris von Abbate Fabris, der alles beym Prinz Louis
von Wirttemberg /: das sind die Junge Prinz[en], bey den[en] der Jozzi so viel in
Paris gegolten :/ gilt, der den Reginelli anfangs dort, hernach aber den Jozzi re-
comandirt, er ist ein herzens Freünd mit ihrem Gouverneur Comte de Montolieu
/: Vetter des unsrig[en] hiesig[en] :/ \ein/ Versprech[en] von einen nachdrüklichen
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur