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70 der Wurm der ihn naget, der beißt mich auch, und [S. 2] Denn Deine gar zu grosse
Gleichgiltigkeit die du bezeigest Uns bey dir zu sehen welches er zwar nur aus
deinen Stillschweigen \abgenommen/, ich aber gar zu clar aus deinen Brief er-
sehen ist warhaftig recht nachdenklich, und ich förchte lauter wir bekomm[en]
Uns gar nicht wied[er] zu sehen, welches ich glaube dich sehr wenig an¿chten
wird. Du hast recht die ReisUnkösten von Hier nach Stutgart sind groß und so
zu sagen weg geworffen, allein ich bin nicht mehr jung, und der ausgestandene
Kummer, und meine 3 jährige Hofnung die arme Kind[er] noch einmahl zu sehen
und die wenige Däge, die ich etwa zu leb[en] habe \sie/ zu godiren, meritiren auch
eine Betrachtung. Wir waren nach seinen Concert hier weg zu geh[en], in Haag ein
anders zu machen, und hernach dich in Stutgart zu überfallen, wohin er magni¿qs
recomendation gebracht hätte \wie du in andern Brieffen wirst gelesen haben/, und
deiner armen Aloysia nach Vermögen zu assistiren. Dieses sind die Narredeyen
die mir am Herzen liegen, und die wir von Haus zu Haus erbettlen solten, denn
dergleichen Mensch ist in Europa nicht, und hier fängt er mehr und mehr aller
Cujonerie der Sonaten halber unerachtet erkennet zu werden. Jederman der ihn
höret erstaunet über ihn. Er hat leztens ein Hendlisches Concert von Fleck weg
geschlag[en] und solche Sachen darein gemacht, daß die Hendlisten selbst be-
kennen müssen, daß sie dergleichen nicht gehört. Was hätte er dem Mädl für ei-
nen gusto im singen beybring[en] können? In summa es wäre eine herrliche Dote
für die arme Närrin gewest, die mit keinem Geld zu erkauff[en] gewest, jezt
aber hast du es selbst verderbt, denn es wäre besser gewest, so du ihm mit guter
Manier geschrieben hättest, daß nichts zu thun, als auf diese Art, denn er sezt sich
in Kopf, daß wir von seinen dermahligen schlecht[en] Stande vieleicht pro¿tiren
wollen, und ihn so zu sag[en] dem Mingotti aufgedrungen, und aus Gnad[en]
recomandirt. Ich habe ihm solches zwar zimlich ausgeredet. Was du schreibst
wegen deiner, daß du dardurch zuruck kämest ist freilich ganz richtig, und über-
haupt ich ¿nde selbst, daß das ganze project nicht viel tauge allein was du
sacri¿cirst geschähete der Loisl, und eines gut[en] Freündes /: der er wahrhaftig
ist :/ wegen, und er verliehrte noch weit mehr, und vieleicht hätte Ers gleichwohl
gethan, wenn du es anderst angegriffen und selbst geschrieben hättest, du wirst
mir sagen, du wilst hernach keinen Vorruck hab[en], wenn du ihn zu was solchen
persuadiret hättest allein wenn man ihms zu seiner Freyren Wahl überlass[en]
hätte, so könte er nichts vorrucken. Uber dieses wenn du glaubst und Mingotti daß
er sonst kein Brod fündete, so irret ihr eüch beede, denn was er so gesucht ware
einzig und allein um bey Uns zu seyn. Er hat wegen der Loysl fast geweinet. [S. 3]
Nun ist kein anders Mittl mehr übrig, als den Streich den ich heüte gespielet, daß
sie von hier aus mit heütiger Post an die Costa schreib[en] und sie als prima Donna
einladen werden. Ich hoffe sie wird gleich nach Engeland schnappen, und als-
denn könte sie Mingotti ihrer Scriptur entlassen, wenn er anderst eine aufrichtige
Meinung gegen Uns hat. Antworte gleich hierauf, und zu mehrerer Sicherheit denn
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur