Page - 590 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
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590 Edition der Briefe
noch warten könne Allein ich [S. 2] förchte nur, daß wenn mich Milord hier weiß,
so wird er mich wied[er] von Wochen zu Wochen aufziehen, daß ich wenn gleich
die Zeit verfallen, daß ich dich gar nicht mehr in Hamb[urg] antreffe, od[er] die
Reise allein nach Copenha[gen] thun müsse, od[er] dich und die libe arme Kinder
gar nicht mehr zu sehen bekome, oltre, daß diese 2 Monat wied[er] überal weniger
als hier kosten würden. Wenn aber ein Kaufman das Geld fordert so muß er gleich
bezahl[en], wenn es expirirt, und von selben Geld kan dieses Geld so Jozzi od[er]
du anticipiren alsobald wied[er] bezahlet werden. Du schreibst du kanst aus mei-
ner Rechnung nicht kommen, seze es nur in eine Lipta [sic] /: welches ich in einem
Brief des Postgelds wegen nicht thun wollen :/ so wirst du sie bald versteh[en].
Zum ÜberÀus aber will ich dir eine exacte tabelle was ich ausgegeb[en] seit deiner
Abreise, in welcher alles genau speci¿ciret, od[er] schick[en], oder zeigen. Ich
habe geglaubt mein Elend solle einmahl aufhören, allein ich sehe noch kein Ende
noch Erlösung. Gott seye es geklagt Das Geld nach Stutgart kommt 2 mahl in
der Rechnung vor id est da ich verrechne was ich ausgelegt, und einmahl in der
Rubric wo ich es aufgenohmen, und was ich schuldig, vor allein es ist nicht 2 mahl
gezehlet. Ich will dir mit der Zeit schon alles recht explicir[en]. Ich bite dich um
alles in der Welt dem Mingotti nichts zu melden, was mit der Costi /: wenigsten
\nicht/, daß sie Uns ihren Accord entdecket :/ vorgegangen bis zu seiner Zeit, und
ich hoffe, daß Sie ganz gewis herkommen wird, denn sonsten müste ich mit Hän-
den greiffen, daß dir der Mingotti weit mehr als ich, und alle im Herzen lieget, ja
daß du sogar wieder dein eigen interesse dich ihm sacri¿cirest, es kan dieses dir
und Jozzi Vortheil bring[en], denn er hat keine Ausrede mehr, daß er überÀüssige
Personen habe, und ich hoffe nicht daß er so impertinent [S. 3] seye dich und Jozzi
mit dieser Cujona zu vergleich[en], geschweigensts so distincto respectu eüerer
zu tractir[en]. Bedenke deine Aloysia, pro¿tire von einer solchen occasion die du
jede Viertelstund mit Gold erkauffen sollest. Arbeite vor ihm so viel als möglich in
Stutgart, und siehe daß du vom Abbate Fabris was erfragest, wo er seye, und agire
mit ihm de Concert, er kan dir selbst mehr als alle andre dienen a[n da]siegem
Hofe. Dem Jozzi schreibe nach Amsterdam, unter der [Adresse] von Roos, <x>
er gehet künftige Woche weg, weil ihm sein Concert just so viel eingetragen, daß
er sich von hier retten können. Mir schreibe ins künftige nicht mehr La Brosse,
sondern at the Orange CoffeHouse Haymarket, so kommen mir die Brieffe
gewißer zu, denn ich will nicht hier \in diesem Haus/ bleiben, weil ich es ohne-
dem nur dem Jozzi zu gefallen gethan, und weit theüerer gelebt, als ich zuvor
gethan. An die herzallerliebste Eltern bitte mein Kindl[iches] Compliment und die
Hände zu küssen, den lieben Kindern schicke ich 1000 fachen Segen, und Gruß
dich aber küsse ich zu 1000 mahl und bite mich so zu lieben wie ich dich und
mich nicht zu vergessen als der ich bis im Tod beständig verharre dein getreüer
Pirker[.]
Mit Comissione[n] werde ich thun was, und sobald ich werde können.
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur