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601Edition
der Briefe
Brief Nr. 149
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Stuttgart,
3. Juni 1749
A Madame
Madame Marie-Anne Pirckerin pres[enteme]nt à /Frankfort pour\ Stoutgart
[unbekannt:] | f[ranc]o f[rank]fort |
No 63. 62. Vom 3t[en] Juny [1]749.
No 4.
London den 3t[en] Juny A[nno] 1749
Herzallerliebste Marianna
Dein schäzbahrstes Stutgart vom 24t[en] habe gestern erhalt[en] in punct als wir
beede nach den Plinius um ein Clavier zu verkauffen, wovon Jozzi 12 Guinée
pro¿tirt. Wir haben solches unterwegs gelesen, und erstlich dich von Grund des
Herzens deiner ausgestandener fatiqs wegen bedauret, leb[en] auch deiner Gesund-
heit halber sehr in Sorgen, nemmen auch so theil daran, als an der eigenen. Ich
erkenne alles, was du thust deiner armen Familie wegen, vollkommen, und werde
dessentwegen dir, so lang ich lebe, verbunden seyn, ich hoffe anbey, daß der Dorn,
den ich in Herzen fühle /: du verstehst mich schon :/ solle vernichttet seyn, und
daß er in einen leeren Argwohn solle verwandelt werd[en], alsdenn sollen wir erst
anfangen in das künftige Uns zu lieben, und zu leben, ohne von dem Vergangenen
mehr eine Gedächtniß zu haben. Du kanst dir nicht einbilden was für Regungen
in mir entstanden, und ich bekenne es daß dir der Augenblick sehr angenehm und
Freüdenvoll bey deinem Eintritt muß gewesen seyn, weil es an Zärtlichkeit und
Freüden Thrän[en] nicht wird gemangelt haben. Ich beneide dich nicht darum,
allein ich hätte auch Antheil daran zu haben gewunschen, indem wir Uns durch
so vielen ausgestandenen Kummer, Ungemach, Krankheit, und schlaÀose Nächte
dergleich[en] Trost wohl sauer beederseits verdienet, allein er überwieget alles in
Betrachtung die Herzallerliebste Eltern /: den[en] ich zärtlich die Hände küsse :/ in
guter Gesundheit, und die liebe Kinder in so vergnüglichen Stande und wohlerzo-
gen angetroffen zu haben Gott vergelte es 1000fältig hier und dort[en] den lieben
Eltern vor ihre gehabte Treü und Sorge, weil wir es unmöglich ersezen können,
was sie diesen armen Tropfen gutes gethan[.] Sie werden hoffentlich auch mit Uns
eine Freüde an Ihnen zu erleben von Gott die Gnade erhalten, wovor die Kinder
Àeissig betten sollen. [S. 2] Ich lasse die Kinder 1000mahl grüssen, und schicke
ihnen den Vätterlich[en] Segen von ganzen meinen Herzen, und winsche ihnen
nur, daß mein Project angehe, wozu ich mir so viele Mühe giebe, daß Sie nemlich
von Signor Jozzi können Lection nemmen, so kan es nicht fehlen, daß sie wie du
mir schreibest vermög ihrer Capacitet die ersten Virtuosinen vieleicht in Europa
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur