Page - 602 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
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602 Edition der Briefe
werd[en] können. Das gröste ist die Costi, o Gott wenn sie doch hieher käme Ich
hoffe daß er in Ansehen deiner vieleicht mit vierhundert fünfzig sich vergnügen
würde, allein, da müste keine Seele davon was wissen, denn der arme Mensch
leidet gar zu sehr an seiner Ehre, du weist doch daß er ein Musico von Grido, und
es ist genug wenn er das Intere[ss]e für dich sacri¿ciret, denn in der That fangen
sich die Aspect[en] hier sich sehr für ihn aufzuklär[en], und sein Bene¿ce hat es
bewiesen, daß er mehr Freünde, als wir selbst geglaubt, also könte \er/ sehr wohl
hier bleib[en], und ganz gewis weit mehr als in Coppenhag[en] pro¿tir[en]. Er
sagt immer, es seye ja unser Sache und intere[ss]e gemein, also was ihm zu gut,
kommt auch Uns zu guten. Auf dieses will ich zwar keine Rechnung mach[en],
wie wohl er es däglich und stündlich betheüerte, woran ich auch nicht zweiÀe,
allein es könte Uns schon genug seyn, wenn er die Kinder lehrte. Also muß eines
das andre übertragen, und was man gern und freywillig thut, ist kein pregiudicio.
Das was ich von den vierhundert fünfzig geschrieben verstehet sich in eüssersten
Zufall, wenn alle Stricke brechen wolten. Gedenke nur was für ein Unterscheid
seye, ein Bene¿ce, Spesen, und alles defrayrt zwisch[en] der Costi und dir, ich kan
nicht begreiffen, ob der Mingotti dich hintergang[en], od[er] du es dissimuliret.
Jozzi kan von Eüch allen das erste, od und vieleicht beste Bene¿ce machen mit
dem Clavier, ohne daß er einmahl den Mingotti darum begrüssen darf, aber wegen
deiner hat es eine andre Beschaffenheit. Wegen Vicenda habe ich schon leztens
geschrieben, daß du und er sich allein hierüber zu versteh[en] hab[en], daß du
an deiner Ehre, wohl aber er unendlich einbüßte, denn du hast dort[en] dein[en]
Credit schon gemacht, hast das Onorario wie zuvor, und giebst ihm freywillig die
Hand, und daß der Impressario hiemit nichts zu thun hab[en], als bey aussuchung
[S. 3] der Bücher eüch möglichst zu secundiren. Er verlangt sich kein Bene¿ce im
theater. Solte die Sache mit der Costi angehen, so ¿ellen die meisten dif¿culteten
von sich selbsten hinweg. Vaneschi hat mir des Milords wegen wieder freywil-
lig ohne daß ich was gemeldet, sehr gute Hofnung gegeben. Wenn Mingotti in
seiner Antwort nur nicht alles auf einmahl verderbt, od[er] wenigstens zuvor
mir schriebe. Wegen Stutgart thut mirs sehr leyd daß du von einer so elenden
Creatur must Verleümdungen aussteh[en]. Du kanst ja genug Opern Bücher, die
du alle in Händen dort, und Sonetti aufweisen, wo du gesungen, und niemahl[en]
keine Battello und Serenat[en] Sängerin gewest. Ich habe dem liebem Papa den
22t[en] April[is] geschrieb[en], Es aber seither nicht gethan, weil ich ihm nicht irr
machen wollen, bis ich dein und mein destinè zuvor gewust. Die Sachen werde ich
nach Hamb[urg] schicken. Dein Muster accordirt nicht allzu wohl mit dem Zeüg
ich will demnach daß beste so mir möglich dazu aus¿nden, und habe bereits aus
[fünfer]ley Boutiqu[en] Muster ausgesehen. Der Blaue Zeüg von der Campioni
war kein Yrrish Stoffe, sondern ein Camelot, und ich habe mich sicher informiret,
sie können \sonst/ alle Farb[en], ausser Blau nicht, geben. Ich muß dich eine ver-
wunderliche und eine betrübte Zeitung berichten. Mistress Rich machet eine von
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur