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644 Edition der Briefe
Brief Nr. 164
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Stuttgart,
13. Juni 1749
A Madame
Madame Marianne Pirkerin pres[entement] à Stoutgart. fr[anc]o Par Frankfourt
No 66. 64 Vom 13 Junj [1]749
No 7.
London den 13t[en] Juny A[nno] 1749.
Herzallerliebste Marianna.
Ich bite um Verzeihen, daß ich in meinem lezten so kurz abbrechen müssen, denn
ich habe alle 3 Brieffe ganz Spät erhalten, welche mich auf einmahl ganz verwirrt,
und viel nachdenken gemacht, und weil ich den Jozzi schreiben, und so zu sagen
von der VerzweiÀung retten müssen, in die ihn des Mingotti Brief wird gesezt
hab[en], so ist mir die Zeit zu kurz geworden. Ich habe von ihm noch keine Nach-
richt aus Holland, obwohl es heüte schon 8 Däge daß er verreiset, weil Gegenwind
ist. Ich winsche dir 1000 Glücke, daß du an dortigen Hofe so gefallen, und die
Gnade der durchl[auchten] Herrschaft zu gewihnen gewust hast, du kanst dir leicht
einbilden, daß mich solches unendlich müsse erfreüet und getröstet haben, und
was für einen Theil ich daran nemme: allein giebe Obacht, daß dir die Coppenhagen
Recita nicht schade, od[er] gar alles zunicht mache wenn dieses zu beförchten
wäre, so wolte ich lieber etwas beständiges statt etwas von kurzer Dauer erwählen.
Du wirst es dorten am besten wissen, und dich darnach richten. Unterdessen kan
ich nicht unterlassen mich zu beklagen, daß du mir so emp¿ndlich vorgerückt, daß
ich eine Reise nach Stutgart thun wollen, und es wäre für mich kein Plaz nicht, und
was dergleich[en] Verrächtligkeit[en] noch mehr waren. Wenn ich hingetrachtet
wäre es mir nicht zu verdenken gewest wenn ich nach so lang ausgestandten[em]
Elend, Kummer, Angst, TodsKrankheit von so langer Entfernung gesucht hätte
mich bey den Meinen wied[er] zu erquick[en] und zu trösten, denn Jahre sind für
mich keine Viertelstunde mehr, und wenn ich die Reise mit Jozzi unternommen
hätte, so war unser Absicht, auf die Bezahlung von Milord, sein Bene¿ce, und
möglichste economie, denn ich würde nicht wie ein Cavalier gereiset seyn. Es
war nur mehr ein süsser Traum und Àüchtiges Project, welches mir sehr sauer
vergerückt word[en]. Wegen den Plaz hab ich solch[en] nicht gesucht, und wenn
es auf das Violin ankäme, verdiente ich ihn vieleicht so gut od[er] besser wie ein
anderer, denn du weist nicht wie ich jezt spiele. Ich möchte auch gerne wissen, wie
du das verstehest, e non saranno più in Stutgart più contentezze ni per uno ni per
lތaltro. Verlangst du vieleicht, daß ich gar nicht mehr zu dir kommen solle? Von
Hamb[urg] auf Hannover sind 2 Nachtläger, die wir selbst gemacht, und nicht nur
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur