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660 Edition der Briefe
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155 Hof indessen nicht \vieleicht/ abreise, oder andre ihm Vorkommen. Er hat mir
geschrieben, es wäre gut, daß du bald nach Hamb[urg] kämest, denn dort könte
er was verdienen, denn er suponirt noch immer, daß er auf das eüsserste wenigs-
ten die erste proposition \von Mingotti/ werde annemmen könn[en] und hat sich
nimmer eingebildet, daß alles auf einmahl, ja sogar die Correspondenz mit
Ehr[en], solle abgebroch[en] werd[en]. Weil er in Holand kein Concert mach[en]
könen, was solte er dort Geld und Zeit umsonst verlier[en][.] Ich wiederholle dem-
nach an beede meinen Rath, daß es besser, wenn er gleich nach Stutgart gienge
es möge hernach ausfallen wie es wolle. Solte aber aus der Coppenhag[ener]
Reis was daraus werd[en] müste dich der Papa nacher Durlach, und Darmstadt
accompagnir[en], weil es nicht wohl ausseh[en] würde, wenn ihr beede allein an
diese Höffe kämte. Wenn er in Wirttenb[ergischen] Dienst[en] gleichfalls wäre, so
hätte es alsdenn nicht so viel zu bedeüten, so ihr zusammen nach Hamb[urg] zu
einer recita kämte. Schreibe ihm hierüber wie auch mir. Du hast mir geschrieb[en],
daß ich in Hamb[urg] gut gekleidet erscheinen solle, mir fehlet es aber am
nöthigsten nemlich an der Wäsche, denn ich habe kein einziges ganzes Hemd
mehr, als die 2 frankische, ich habe einen Hauffen Geld ausgegeben um sie aus-
bessern zu lassen, s[ie] halten aber keinen Stich mehr. Das Glück ist, daß ich eine
vertraute und immer die alte Wäscherin habe, sonst müste ich mich schämen, sie
in die Wäsche zu geb[en], sie hat mirs auch ausgeÀicket: Wenn du also in Stutgart
indessen, so viele eine Sächßische, od[er] Schlesier Leinwat indessen auf Credit
mittelst des Papa haben köntest, so lasse mir so viel als du kanst, od[er] wilst
machen, und bringe sie mit, ich weis sonst der Zeit, und Unkösten wegen kein
besseres Mittel, und die Wäsche ist so zu sagen nothwendiger als Brod. Wenn
ich auch von Milord Geld bekäme, so müste ich mich der Hemder halber länger
aufhalt[en], und schlechte Leinwat hab[en], od[er] es abscheülich theüer bezahl[en].
Ich habe hier die Maaß von Büseln beygelegt, daß übrige weist du selbst am bes-
ten, und kanst sie die Länge und Weite vom Stock ungefähr wie des Papa seine
machen lassen, die Manchetten von Cambray. Der Milord fährt jezt immer mit
dem Prinzen auf den Land herum, heüte aber hat ihm Vaneschi seiner eigenen
Sache, und auch meinetwegen geschrieb[en], und übermorgen hoffen wir Ant-
wort, wo zugleich die Sache wegen der Costi wird decidiret werden. Es bestehet
überhaupt hierin[nen]. Es ist ein gewiß[er] Doctor Ciarelli hier, so dem Vaneschi,
und Perticci das theater aus den Händen gespielet, nachdem er ihn[en] zuvor das
Maul gemacht, daß er nebst der Englisch[en] Opera, wozu er die Francesina, Galli,
Frasi aufgenommen, auch itali[enische] seriose und Buffa Opern will halt[en],
jezt aber will er von leztern noch Vaneschi und Perticci was wissen, destwegen
lezter beym Prinzen von Walis gewest, und jezt erwart[en] Sie vom Prinzen und
Milord die cathegorische Antwort hierüber, denn Perticci muß mit Crosa fort, es hei
bis sein Contract aus. Es heisset, sie gehen nach Frankreich allein viele glaub[en],
er gehe nach Brüssel. An Herrn Neüsinger mein ergebnstes Compliment, den
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur