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716 Edition der Briefe
Brief Nr. 183
Franz Pirker aus London an Marianne Pirker in Stuttgart,
1. Juli 1749
A Madame
Madame Marianne Pirkerin pres[entement] à Stoutgart. /Par Frankfourt.\
[unbekannt:] | f[ranc]o |
No 70 68. Vom 1t[en] July [1]749.
N.o 11
London den 1t[en] July A[nno] 1749
Herzallerliebste Marianna
Heüte ist die Post nicht angekommen, und weil ich verwichenen Postdag nicht
geschrieben, so habe \es/ heüte nicht unterlassen wollen, damit wir nicht aus der
Correspondenz kommen. Ich winschte, daß ich dir etwas erfreüliches und neüeres
vom Milord berichten könte, allein er ist wieder über ein kleines werd ihr mich
pp Vaneschi versichert mich auch hoch und theüer, daß er den Augenblick nicht
erwart[en] kan mit ihm zu sprechen, und daß er ganz gewis auch wegen meiner
nachdrüklich reden will. Basta, ich will noch bis morgen wart[en], alsdenn fange
ich wieder an zu exequiren. Ich habe mir schon auch gedacht, es seye etwa
Vaneschi gegang[en] wie Borosini, daß er aus der Gnade. Das ist gewis, daß er
aufs Jahr mit dem Theater nichts zu thun, das hat er mir selbst bekennet, hernach
ist Perticci auch zwischen 2 Stühle gesessen, denn Crosa /: der gestern mit dem
Laschi ganz allein nacher Brüssel verreiset :/ nimmt ihn nicht, in Welschland hat
er eine Recita ausgeschlagen, und aus dem hiesig[en] Impressariat ist auch nichts
word[en], und Crosa bleibt ihm noch darzu schuldig, muß also in Geduld stehen
bis er ihn zahlet. Nun bin ich hier recht meines Lebens überdrüßig wobey ich
noch des Jozzi halber in stetten Aengsten, denn er schreibt mir VerzweiÀungs-
volle Brieffe, daß es ihm gewis sein Leben kostet, wenn sich Mingotti obtinirt.
Gott erleüchte den leztern. Jozzi hat den [S. 2] Contract mit Scalabrini niemahls
so eingegang[en], er hat zwar die Scrittura her geschickt, aber Jozzi nicht, anzi er
hat ihm nicht einmahl geantwortet, kan ihm also Mingotti dessenthalben nichts
vorwerffen. Ich wüste auch nicht was er für andre Ideen, od[er] Personag[en]
nehmen solte da er doch schreibt Jozzi wäre überÀüssig, dieses wäre wohl eine
untüchtige und kahle Ausrede, nachdem die völlige Compagnie ganz gemacht.
Es kommt also alles nur darauf an, daß er das was er anfangs entschlossen ward,
wieder rati¿cire, und alle Pontilien bey seits seze, nachdem man ihn so Àattiret,
und bittet, und NB daß du aus Ernst antreibest, denn diese elende Ausrede, daß
ihm andere vieleicht jemand anders einreünen od[er] anhenken wolt[en], hat
mich fast auf die Gedanken gebracht, daß du selbst den armen Deüfel gestürzet,
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur