Page - 730 - in Die Operisti als kulturelles Netzwerk - Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
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730 Edition der Briefe
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55 caminare[ ] caro pirker, oggi parto per Stutgardt, scusate se non vi scrivo più[.]
d[en] 7:t[en] July. stuttgard
Dießer Brief ist zu spät gekommen muß solch[en] alßo heut außschreib[en]. già
sapete che non mi dovete più scrivere per qui, ich reiße mit d[em] papa nach
Carlsruh um mich dort hör[en] zu lassen gott gebe daß es mir etwas einträgt,
dann hier ist die verÀuchte Mode daß mann kein Regal bekommt, wann mann in
Diensten bleibt, muß ich armer narr alßo wieder ohne meine Ringe vort und
solche hier lassen, mei[n] gott wie muß ich immer mit d[em] glük streit[en], im
Wirthshauß bin ich zwar wohl außgelößt word[en], vor die ganz[en] 6: woch[en],
allein indeß[en] kan ich dir kein[en] Kreuzer schick[en], um gottes Will[en]
schicke bitte de[n] Jozzi er soll und muß dir helf[en] damit du nach Hamb[urg]
komst und in anfang augusti sogleich, damit wir alle mit einander geh[en] kön-
nen, du wirst ja nicht daß schamhaftig geg[en] ihm seyn, er kan dir helf[en]. Der
papa, mama, und Kinder empfehl[en] sich gehorsamst, es ist mir hart mit des jozzi
contract und [S. 3] Mingotti gegang[en] ich hofe es werd[en] mir dießfalls von
dir keine weitere dif¿cultet[en] gemacht werd[en], dann ich will ei[nem] recht
absolute nicht vergeben. ich bin voll confusion weil ich kein gelt habe, nun wirst
du ja mit mir zufried[en] seyn daß du dei[nen] lieb[en] Jozzi bey dir hast, wann er
sich von mir wird regalir[en] lasse[n], so wird ihm der hießige Hof gewieß seyn,
adieu pirker gott gebe dir eine glükl[iche] Reiße, wie auch mir, ohne gelt, und
wie gott will, ich werde dir schon alles erzehlen. laße dir viel geld von Joz[zi]
schick[en], damit du di[e] tücher zu ein baar Kleyder kauf[en] kanst, auch die
Bänder für die Herzogin um alles von der Welt, ganze stüke und so breit es mög-
lich, item giebe Comission damit mann uns ins künftige alles was wir verlang[en]
herauß schikt, aber es müß[en] vertraute leut seyn, damit wann mann ihn[en]
etliche 100 guld[en] hinei[n] schikt solche nicht verlohr[en] gehen. adieu ich
hofe dich bald zu Hamb[urg] zu küßen, habe mich lieb, ich ersterbe deine getreue
Marianna[.]
VORLAGE: HStAS, Signatur A 202 Bü 2840, 1 Doppelblatt, 4 beschriebene Sei-
ten Beschädigung durch Siegelöffnung.
THEMENKOMMENTAR:
Marianne geht es im Hinblick auf ihr nächstes Engagement bei Mingotti vor
allem darum, ihre Position am Hof in Stuttgart zu festigen. Deshalb legt sie ihrem
Mann ganz besonders die Bestellung für die Herzogin und die Beschaffung einer
Arie der Cuzzoni ans Herz. Der nun doch erfolgreiche Vertragsabschluss Jozzis
mit Mingotti ist ihr vor diesem Hintergrund nur eine kurze Bemerkung wert.
EINZELSTELLENKOMMENTAR:
< > Mingotti:] Pietro Mingotti , Impresario.
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Die Operisti als kulturelles Netzwerk
Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker, Volume 1 & 2
- Title
- Die Operisti als kulturelles Netzwerk
- Subtitle
- Der Briefwechsel von Franz und Marianne Pirker
- Volume
- 1 & 2
- Editor
- Daniel Brandenburg
- Publisher
- Österreichischen Akademie der Wissenschaften
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8898-8
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 1048
- Category
- Kunst und Kultur