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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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Ingeborg Jandl Weder Held noch Opfer: Trauma, Identität und die gesellschaftliche Position von Kriegsheimkehrern bei Svetlana Aleksievič, Faruk Šehić und Andrej Gelasimov Die Rollen von Opfer und Täter*in werden obsolet, wenn sie durch dieselbe Person verkörpert sind. Im Falle von Kriegsheimkehrern ist dies in unterschied- licher Weise stets der Fall, da diese zum einen aktiv am Krieg partizipiert und zum anderen selbst physisches sowie psychisches Leid erlitten haben. Über beides wird am häufigsten anhand der Rollenzu schreibung des Helden hinweg- getäuscht, die diesen Widerspruch zu tilgen scheint, indem sie sowohl die Täter- identität als auch die menschliche Schwäche traumatisch Gebrochener relativiert und positiv umdeutet. Im Folgenden werden Texte von Svetlana Aleksievič, Andrej Gelasimov und Faruk Šehić behandelt, die mit dieser Tradition brechen, indem sie schwache, durch die Kriege in Afghanistan, Tschetschenien und Jugoslawien traumatisierte Persönlichkeiten aus der Innenperspektive zeigen: Die Beispiele verwehren sich einer klaren Festlegung sowohl auf Opfer- als auch auf Täter- oder Heldennarra- tive, da es zu allen Anknüpfungspunkte zu geben scheint, die sich wechselseitig konterkarieren. Dabei liegen jeweils auch wertende Außenperspektiven auf die Zusammenhänge zwischen Individuum und Krieg vor. Kriegstrauma, Kriegsiden- tität und Erinnerungskultur sind jene drei Paradigmen, anhand derer im vorlie- genden Beitrag versucht wird, die gesellschaftliche Position von Kriegsteilneh- mern auszuloten. Alle drei eignen sich zur Verhandlung von Opfernarrativen, da Traumatisierung eine Opferrolle nahelegt, während anhaltende Kriegsinstinkte eher mit Täternarrativen in Verbindung zu stehen scheinen und die spezifischen Diskurse im Rahmen von Erinnerungskulturen oft auf eine klare argumentative Festschreibung von Opfer- und Täterrollen abzielen. Nach einer Reflexion der durch das Korpus vorgegebenen Gratwanderung zwischen dokumentarischem und literarischem Schreiben stehen in den fol- genden Kapiteln ‚Kriegstrauma‘, ‚Kriegsidentität‘ und ‚Erinnerungskultur‘ im Zentrum. Der in den untersuchten Texten jeweils ähnliche Diskurs um Opfer ohne Anspruch auf eine Opferrolle wird anhand dieser drei Bereiche jeweils indirekt offengelegt: Symptome von Kriegstraumata, wie Angstzustände und Schlafstö- rungen, zeugen von einer inneren Versehrtheit der betroffenen Kriegsteilnehmer und entziehen Heroisierungsversuchen von vornherein jede Grundlage. Unter ‚Kriegsidentität‘ werden im Folgenden typische reflexbasierte Hand- Open Access. © 2020 Ingeborg Jandl, publiziert von De Gruyter. Dieses  Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution 4.0 Lizenz. https://doi.org/10.1515/9783110693461-007
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Milošević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, Transnationalität
Category
Lehrbücher
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