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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
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174    Dagmar Gramshammer-Hohl nur an einem Zuwenig von Heimat, sondern eher an einem Zuviel der Erinnerung an sie. Der Arzt diagnostiziert eine posttraumatische Belastungsstörung: Izzy erlebt Flashbacks, in denen er sich in das belagerte Tuzla zurĂŒckversetzt fĂŒhlt und nochmals Granatenbeschuss zu durchleben glaubt. Doch auch traumatische Erfahrungen aus der Kindheit, in denen die heile Welt der Familie zu zerbrechen drohte, Erinnerungen an die depressive Mutter oder an die von außen an ihn her- angetragene Angst, der Vater könnte nicht sein Vater sein, belasten ihn. Seine Traumata bedrohen letztlich auch die Beziehung zu der Frau, die er liebt, der Amerikanerin Melissa. Prcićs Roman trĂ€gt den bezeichnenden Titel Shards. Dieser bezieht sich offen- sichtlich darauf, dass der Spiegel, in dem der Protagonist sich erkennen könnte, zerbrochen ist und dass er sich selbst nicht mehr als zusammengehöriges Ganzes erscheint. Ein Gedicht von Saadi Youssef, das dem Haupttext, gemeinsam mit einem Shakespeare-Zitat, vorangestellt ist, erlĂ€utert die Bedeutung des Roman- titels sowie die Funktion der folgenden ErzĂ€hlung: Who broke these mirrors and tossed them shard by shard among the branches? 
 L’Akdhar (the poet) must gather these mirrors on his palm and match the pieces together any way he likes and preserve the memory of the branch. (Prcić 2011, 8) Die Le ser*in nen erfahren Ismets/Izzys Geschichte, indem sie unzusammenhĂ€n- gen de BruchstĂŒcke aufsammeln (AuszĂŒge aus dem Notizbuch des Protagonis- ten, Kindheitserinnerungen, vermutlich nie abgeschickte Briefe Ismets an seine Mutter) – „ErzĂ€hlscherben“, die sie zusammensetzen mĂŒssen, um ein konsisten- tes Bild dieses jungen Mannes zu erhalten und um zu verstehen, was ihn so sehr leiden lĂ€sst. Auch Aleksandar Hemons Nowhere Man kann als Versuch interpretiert werden, BruchstĂŒcke wieder zu einem Ganzen zusammenzufĂŒgen. Der Text wurde von verschiedenen Rezensenten sowohl als eine Sammlung von lose miteinander verbundenen Kurzgeschichten als auch als Roman bezeichnet. Die Komposition des Textes spricht fĂŒr Letzteres: Die Leser*innen werden mit Spie- gelscherben konfrontiert, die das Bild der Hauptfigur, des bosnischen Emigran- ten Jozef Pronek, nie zur GĂ€nze wiedergeben, sondern immer nur in BruchstĂŒ-
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Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Title
Opfernarrative in transnationalen Kontexten
Editor
Eva Binder
Christof Diem
Miriam Finkelstein
Sieglinde Klettenhammer
Birgit Mertz-Baumgartner
Marijana Miloơević
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-069346-1
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
350
Keywords
Opfernarrative, zeitgenössische Literatur, transnationale Erinnerung, TransnationalitÀt
Category
LehrbĂŒcher
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